Warum die Affäre und Skandale durch die Berliner Zeitung publik gemacht und nicht vor Ort aufgedeckt wurden, lässt sich vielleicht an einem Kommentar ablesen, den der damalige Chefredakteur der LVZ am 7. November abdrucken ließ, als die LVZ mit der Berichterstattung nachziehen musste – sie konnte sich den von aus Berlin präsentierten Fakten nicht weiter entziehen.
Der damalige Chefredakteur, Hartwig Hochstein, heute stellvertretender Vorsitzender der Leipziger Medienstiftung, hatte gemeint, dass Recherchieren zwar „höchste journalistische Kunst“ und „Missstände aufdecken vornehmste Aufgabe einer unabhängigen Presse“ sei. Aber bestimmte Journalisten – und damit war Jens Weinreich gemeint – müssten sich Fragen nach deren „Motivation oder zur Angemessenheit ihrer Berichterstattung“ stellen lassen. Denn die „Namen, Daten und Zahlen“ wären „mit normaler journalistischer, auch investigativer Arbeit, mit guten Kontakten und Kenntnissen der Sport- und Funktionärsszene nicht zu ermitteln“ gewesen. Wenn dies (damals) die offizielle Redaktionsphilosophie der Leipziger Volkszeitung war, wird vieles verständlich.
