Tatsächlich ist es ein Problem aller anderen Bürgerlichen Parteien auch - alle haben ihre Leichen im Keller, denn alle haben sich mithilfe schwarzer Kassen und steuerhinderziehenden Praktiken ihre Parteikassen aufgefüllt: CDU/CSU, FDP und SPD.
Deshalb kam es nur 3 Tage nach einem ersten Brief von FÖRSTER an seinen unmittelbaren Vorgesetzten in der Kölner Oberfinanzdirektion zu einem Spitzengespräch auf politischer Ebene, und zwar im Düsseldorfer Finanzministerium: Der Schatzmeister der CDU, Walter LEISLER-KIEP, sowie der Generalbevollmächtigte der CDU-Schatzmeisterei Uwe LÜTHJE, hatten dem nordrhein-westfälischen Finanzminister HALSTENBERG sowie Ministerpräsident KÜHN, beide SPD, in drastischer Weise klar gemacht, dass ein (vorzeitiges) Bekanntwerden der Ermittlungen Konsequenzen hätten: man würde dann auch die Praktiken der SPD öffentlich machen. Im übrigen seien in die Vorgänge auch Bundespräsident Walter SCHEEL und Bundesaußenminister GENSCHER, beide FDP, eingeweiht!
Dies kann Klaus FÖRSTER zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht wirklich wissen. Er kann nur vermuten, dass da politische Dinge eine Rolle spielen würden, denn die Reaktionen seiner Vorgesetzen aus der Oberfinanzdirektion in Köln und des nordhein-westfälischen Finanzministeriums in Düsseldorf sind eindeutig: Die Parteibonzen wollen mithilfe ihrer untergebenen Ministerialbürokraten zumindest vor dem anstehenden Bundestagswahlkampf im Frühsommer 1976 alles tun, um das durch die Entdeckung der "EU" entstandene Problem zu deckeln.
FÖRSTER müsste dazu seinen Amtseid brechen. Und gegen Recht und Gesetz verstoßen. Wir haben das hier einmal unter Recht und Gesetz zusammengefasst.
FÖRSTER gehört zu den (sehr) wenigen Beamten (in diesem konkreten Fall), denen die Verpflichtung gegenüber dem Gemeinwohl sehr viel wichtiger ist, als gegenüber Vorgesetzten zu kuschen, um seine Ruhe zu haben. FÖRSTER remonstriert, legt also schriftlichen Widerspruch gegen die Weisungen von oben ein und zieht sich jetzt erst recht den Unmut und Zorn seiner Vorgesetzten zu. Oberfinanzpräsident Dr. Hermann MERSMANN, ein linientreuer Ministerialbürokrat durch, egal ob im Dritten Reich (u.a. Luftwaffenoffizier) oder im Nachkriegsdeutschland, hat schon die ersten Weichen gestellt, um FÖRSTER von diesem Posten abziehen, sprich versetzen zu können.
FÖRSTER ist nicht nur gradlinig, sondern auch clever. Um sich nicht selbst der "Strafvereitelung im Amt" schuldig zu machen, und um das Verfahren weiter voranzubringen, droht er, das Ermittlungsverfahren in Sachen "EU" an die Staatsanwaltschaft abzugeben, z.B. durch eine Selbstanzeige. Das können die Ministerialbürokraten nicht mehr verhindern. Die entschiedene Drohung wirkt. Und deshalb kommt es auch so: Am 14. Juni 1976 übergibt FÖRSTER die gesamten Akten der Bonner Staatsanwaltschaft.
Was FÖRSTER zu diesem Zeitpunkt ebenfalls noch nicht wissen kann, ist, dass
- der FLICK-Konzern einer der maßgeblichen Drahtzieher und mit Abstand größten Geldgeber der Bonner Parteienlandschaft ist
- FLICK in enger Absprache mit einigen Politikern, insbesondere den jeweils amtierenden Bundeswirtschaftsministern der FDP, einen großen Deal eingefädelt hat: die Steuerbefreiung seiner Aktiengewinne aus dem Verkauf der Daimler-Benz-Anteile an die Deutsche Bank AG: 1,9 Mrd. DM
- der Buchhalter Rudolf DIEHL über jede Zahlung von FLICK an Parteien und Parteibonzen genauestens Buch führt.