Hinweis vorab:
Die folgende Chronologie versucht die Handlungsstränge auf zwei verschiedenen Ebenen darzustellen bzw. gegenüberzustellen, die sich später kreuzen werden:
- die Aktivitäten des FLICK-Konzerns, die hohe Politik für seine eigenen Zwecke einzuspannen
- die Ermittlungen des Steuerfahnders Klaus FÖRSTER, einen zunächst 'kleinen' Fall aufzuklären.
Weil der Wirtschaftsgigant aufgrund seiner finanziellen Potenz, an der er die Politik teilhaben lässt, regelmäßig Vorfahrt hat, dem Steuerfahnder hingegen ständig "rotes Licht, Herr FÖRSTER" signalisiert wird, haben wir der Übersichtlichkeit halber zu einem kleinen Stilmittel gegriffen: eine grüne versus rote Ampel.
Und so beginnt die Affäre: zu Zeiten des "Wirtschaftswunders":
Die Richter am Bundesverfassungsgericht erklären am 24. Juni 1958 den steuermindernden Abzug von Parteispenden als verfassungswidrig. Begründung: durch unterschiedlich hohe Steuervorteile bei Gutverdienern gegenüber Normalverdienern werde die Chancengleichheit der Parteien und das Recht der Bürger auf gleiche Teilhabe an der politischen Willensbildung verletzt.
Ludwig ERHARD, der Wirtschaftsminister mit der Zigarre, ist im Jahre 1964 Bundeskanzler und bringt einen neuen Paragraphen des Einkommenssteuergesetz auf den Weg: Wer zukünftig ein altes Wirtschaftsgut mit Gewinn verkauft und mit dem Geld ein neues Wirtschaftsgut einkauft, braucht den Gewinn nicht zu versteuern. Dies gilt nicht nur für Maschinen und Grundstücke sondern auch für den Erwerb von Kapitalgesellschaften. Bei dem neuen Paragraphen handelt es sich um den § 6b des Einkommensteuergesetzen (EStG).
Während sich ein Jahr später, 1965, der Vorstandschef der Fa. Feldmühle AG, einem Unternehmen aus dem Flick-Konzern, mit dem nordrhein-westfälischen Wirtschaftsminister (CDU) und dem Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Walter SCHEEL, FDP (später Außenminister) trifft, um über Geldbeschaffungsmöglichkeiten für Parteien zu diskutieren, wird der knapp 33jährige Finanzassessor Klaus FÖRSTER in die Dienste des Landes Nordrhein-Westfalen eingestellt.