GÖRING: »Das wäre nur durchführbar, wenn Sie von vornherein ganze Stadtteile bzw. ganze Städte für den Juden reservieren. Sonst müssen Sie zulassen, daß nur Deutsche im Geschäftsverkehr bleiben und der Jude dort kaufen muß. Sie können keine jüdische Barbierstube einrichten. Der Jude muß doch Lebensmittel, muß Strümpfe kaufen können.«
HEYDRICH: »Es muß entschieden werden, ob man das will oder nicht.«
GÖRING: »Ich möchte das gleich heute entscheiden. Wir können hier nicht noch einmal eine Art Unterteilung vornehmen. - Das geht nicht, daß wir sagen: soundso viel Geschäfte bleiben für den Juden bestehen; denn dann hört sofort die Kontrolle wieder auf, weil diese Geschäfte wieder Engrosgeschäfte brauchen usw. Ich möchte sagen: Alles, was Geschäft ist, soll arisches Geschäft sein, wo der Jude kaufen kann. Man kann höchstens einen Schritt weitergehen und sagen: Voraussichtlich werden die und die Geschäfte in der Hauptsache von Juden aufgesucht werden. Man könnte gewisse Barbierstuben durch Juden einrichten. Man könnte gewisse Konzessionen in der Richtung geben, einen Beruf in bestimmten Straßenzügen für bestimmte Aufgaben auszuüben. Läden aber nicht.«
HEYDRICH: »Wie wäre es im Ghetto? Müßte da der Jude in den arischen Teil zum Einkaufen gehen?«
GÖRING: »Nein. Da würde ich sagen: es gibt genug deutsche Geschäftsleute, die sich mit Wonnegrunzen in das Ghetto hereinsetzen, weil sie da ein Geschäft machen. Ich würde nicht mehr von dem Grundsatz abweichen, daß der Jude in der Wirtschaft nichts mehr zu suchen hat.«
HEYDRICH: »Das möchte ich nicht entscheiden. - Dann einige Dinge, die auch psychologisch wichtig sind.«
GÖRING versucht sich das bereits im Detail auszumalen: »Wenn wir überhaupt einmal ein Ghetto haben, könnten wir feststellen, was für Geschäfte da hereinkommen müssen, und dann kann man sagen: du, Jude Soundso, bekommst mit dem und dem zusammen die Konzession für die Anlieferung. Dann wird eine deutsche Engrosfirma beauftragt, für dieses jüdische Geschäft zu liefern. Dieses Geschäft ist dann nicht ein Einzelhandelsgeschäft, sondern eine Konsumwirtschaft - ein Konsumverein für die Juden.«
HEYDRICH: »Diese ganzen Maßnahmen werden praktisch-organisch zu einem Ghetto führen. Ich muß sagen: man soll heute nicht ein Ghetto bauen wollen. Aber durch diese Maßnahmen werden die Juden automatisch in ein Ghetto gedrängt in der Form, wie das angedeutet wurde.«
Wirtschaftsminister FUNK: »Der Jude muß ganz eng zusammenrücken. Was sind drei Millionen? Da muß der einzelne für den anderen einstehen, der einzelne verhungert.«
GÖRING: »Jetzt kommt das, was Minister GOEBBELS vorhin sagte: Es kommt das Zwangsvermieten. Jetzt kommen die jüdischen Mietparteien zusammen.«
HEYDRICH, verärgert, daß man ihn nicht ausreden läßt: »Als Maßnahme würde ich weiter vorschlagen, daß man alle persönlichen Berechtigungen wie Zulassungsscheine und Führerscheine den Juden entzieht, daß der Jude nicht Eigentümer von Kraftwagen sein darf, daß er aber auch nicht fahren darf, weil er damit deutsches Leben gefährden kann, daß man ihn weiterhin in seiner Freizügigkeit durch Aufenthaltsverbote beschränkt. Ich würde sagen: Der Königliche Platz in München, die Reichsweihestätte, darf in einem bestimmten Umkreis von Juden nicht mehr betreten werden. Dasselbe bei kulturellen Einrichtungen, Grenzzäunen, Festungswerken. Des weiteren, was Minister Dr. GOEBBELS vorhin sagte: Ausschließung der Juden von öffentlichen Theatern, Kinos usw. Zum Kurbetrieb darf ich folgendes sagen: Der Kurbetrieb in der Heilstätte ist an sich eine Zusatzangelegenheit der Körpergesundung, die nicht unbedingt für den einzelnen Menschen notwendig ist. Viele Millionen deutscher Volksgenossen sind nicht in der Lage, ihren Gesundheitszustand durch einen Besuch eines Heilbades zu verbessern. Ich sehe nicht ein, warum der Jude überhaupt in Bäder gehen soll.«
GÖRING: »In Heilbäder, nein.«
HEYDRICH: »Dann würde ich dasselbe für die Krankenhäuser vorschlagen. Ein Jude kann nicht im Krankenhaus mit arischen Volksgenossen zusammenliegen.«
GÖRING: »Aber das muß allmählich gemacht werden.«
HEYDRICH: »Dasselbe mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.«
GÖRING: »Gibt es nicht jüdische Sanatorien und jüdische Krankenhäuser? (Zurufe: Jawohl.) Das muß alles durchgefiedelt werden. Diese Dinge müssen hintereinanderweg herauskommen.«
HEYDRICH: »Ich wollte bloß grundsätzlich das Einverständnis erbitten, daß wir diese Dinge einleiten dürfen.«
GÖRING: »Noch eine Frage, meine Herren: Wie beurteilen Sie die Lage, wenn ich heute verkünde, daß dem Judentum als Strafe diese 1 Milliarde als Kontribution auferlegt wird?«
Zwischenruf von BÜRCKEL: »Die Wiener werden sehr damit einverstanden sein.«
GOEBBELS: »Ich meine, ob die Juden die Möglichkeit haben, sich zu entziehen, etwas auf die Seite zu schaffen.«
BRINKMANN: »Dann machen sie sich schon strafbar.«
Finanzminister von KROSIGK: »Herr FISCHBÖCK, eine Frage: Kann man die Kontribution ausschreiben, ohne gleichzeitig ein Verbot der Versilberung herausgehen zu lassen? Es ist naturgemäß die Gefahr gegeben, daß sie ihre Anleihen auf den Markt schmeißen.«
FUNK: »Das ist alles angemeldet. Das Geld müssen sie auch angeben.«
Finanzminister von KROSIGK: »Aber sie können vorläufig darüber verfügen.«
GÖRING: »Es nützt ihnen nichts, wenn sie das versilbern. Das Geld können sie nicht weggeben.«
FUNK: »Wenn sie ihre Effekten verkaufen, haben sie den Schaden.«
FISCHBÖCK, der über einschlägige Erfahrungen in Österreich verfügt, unterstützt die Meinung des Finanzministers: »Die Gefahr hat schon etwas für sich. Aber ich glaube nicht, daß sie sehr groß ist. Das setzt allerdings voraus, daß man tatsächlich die anderen Maßnahmen im Laufe der nächsten Woche trifft.«
»Spätestens im Laufe der nächsten Woche müssen sie getroffen werden«, betont nochmals Finanzminister Schwerin von KROSIGK.
Und GÖRING: »Das würde ich als Bedingung setzen.«
FISCHBÖCK: »Es ist vielleicht gut, wenn wir uns selbst auf diese Weise unter Druck setzen.«
GÖRING hat jetzt klare Vorstellungen von dem, was er möchte. Und er kann sich auch genauestens ausmalen, was auf die Juden zukommt: »Ich werde den Wortlaut wählen«, faßt er nochmals zusammen, »daß die deutschen Juden in ihrer Gesamtheit als Strafe für die ruchlosen Verbrechen undsoweiter, undsoweiter eine Kontribution von 1 Milliarde auferlegt bekommen. Das wird hinhauen! Die Schweine werden einen zweiten Mord so schnell nicht machen. Im übrigen muß ich noch einmal feststellen: Ich möchte kein Jude in Deutschland sein!«
Die Sitzung ist noch nicht ganz zu Ende, wiewohl jeder merkt, daß alles Wesentliche gesagt, besprochen und entschieden ist. Die ersten haben auch schon längst verstohlen einen Blick auf die Uhr riskiert: immerhin gerade 14 Uhr 30 durch. Trotzdem kommt es nochmals zu einem kleineren Wortwechsel.
von KROSIGK: »Deswegen möchte ich erst einmal das stark unterstreichen, was Herr HEYDRICH zu Anfang gesagt hat: Wir müssen alles versuchen, im Wege eines zusätzlichen Exportes die Juden herauszubringen ins Ausland. Das muß doch immer das entscheidende sein, daß wir nicht das ganze Gesellschaftsproletariat hier behalten. Es wird immer eine Last sein, sie zu behandeln, die fürchterlich ist. Ich stelle mir den Zwang zum Ghetto auch nicht gerade als angenehme Aussicht vor. Die Aussicht, zum Ghetto kommen zu müssen, ist auch keine angenehme. Infolgedessen muß das Ziel sein, was HEYDRICH gesagt hat: heraus, was herausgebracht werden kann!«