In dem Skandal um die “Bankgesellschaft Berlin” (BGB) spielt eine kleine, eigentlich unbedeutende Firma die Rolle des Auslösers der Affäre. Dabei ging es um eine eher läppische Summe: 40.000 DM damals, heute 20.000 Euro. “Peanuts” sozusagen. Der Name der Firma “Aubis”. Der nackte Tote im Baum war Computerfachmann und bei “Aubis” als Systemadminsitrator angestellt.
Einer der beiden „Aubis“-Inhaber, ein ehemaliger Kripobeamter, war vor seinem privatwirtschaftlichen Unternehmer-Engagament zuletzt als rechte Hand im Parlament jenes Mannes tätig, der dieses Problem und diesen Skandal maßgeblich mitverursacht hatte: Klaus Rüdiger LANDOWSKI (CDU). Der „Aubis“-Mann, der mit einem weiteren Kompagnon, ebenfalls einem ehemaligen Landes- und später Bundespolitiker der CDU, im Goldgräberrausch der (Ex-)DDR-Übernahme das große Geld mit der Sanierung von Plattenbauten machen wollte, hatte sich dabei gründlich und nicht zuletzt auf Grund politischer Rückendeckung völlig überhoben.
Dank seiner politischen Verbindungen zu LANDOWSKI, der gleichzeitig den CDU-Fraktionsvorsitz im Berliner Abgeordnetenhaus (Landesparlament) inne hatte und seit Jahrzehnten als die „Graue Eminenz“ des CDU-Parteiapparates galt, gleichzeitig aber auch im Vorstand der staatlichen Berliner Hypothekenbank agierte (Bankgesellschaft Berlin) und sich auf diese Weise in jeder Funktion selbst „kontrollieren“ konnte, wurde die Firma „Aubis“, wenn sie Geld baruchte, mit Krediten nur so gefüttert – mit 700 Millionen DM und dies gegen jegliche Vorsichtsmaßnahmen, gegen alle bankenrechtlichen Vorschriften und gegen den Widerstand der zuständigen (‚kleinen‘) Kreditsachbearbeiter. LANDOWSKY & Co agierten vielmehr frei nach dem Motto: Eine staatliche Bank, die man selbst kontrolliert, kann nicht pleite gehen. Und falls doch, dann betrifft es ja nicht das eigene Geld.
Letztlich ging die Berliner Bankgesellschaft dann doch „k.o“. Das aber kam erst heraus, als eine andere, vergleichsweise banale Geschichte ans Licht der Öffentlichkeit kam: eine 40.000 DM-Spende des „Aubis“-Kreditnehmers und Ex-LANDOWSKI-Mannes an Klaus Rüdiger LANDOWSKI, CDU. Diese vergleichsweise geringe Geldsumme war letztlich der Auslöser für die Anfang 2001 beginnende Affäre, die zunächst einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss initiiert hatte, die Staatsanwaltschaft auf den Plan rief, innerhalb derer 12 (!) Ermittler diesen Komplex aufzutröseln versuchten, und die im Sommer 2001 die Große Koalition aus CDU und SPD zum Platzen brachte (danach: rot-rote Regierung).
Aufgrund der parlamentarischen Konstellation und der dramatischen finanziellen Haushaltslage (Berlin musste eine so genannte Risiko-Abschirmung in Höhe von rd. 22 Milliarden Euro abgeben, damit die Bank mit ihren 16.000 Angestellten nicht von heute auf morgen durch die Aufsichtsbehörde geschlossen wurde, und darüber hinaus jetzt jährlich Milliardenverluste der Bank ausgleichen) waren die Politiker entschlossen, nicht nur diesen Skandal aufzuarbeiten, sondern die Verantwortlichen auch finanziell zur Rechenschaft zu ziehen.
Schlechte Aussichten also für alle, die in dieser Affäre verwickelt waren. Und noch schlechter die Aussichten für jene, die viel zu verlieren hatten.
‚Gute Aussichten‘ indes versprach sich offenbar der Systemadministrator der Fa. „Aubis“, der auf Grund seiner Funktion und seiner EDV-Kenntnisse an alle Daten herankam, die es in dem Unternehmen gab. Der EDV-Experte wollte sein Wissen und mehrere kopierte Disketten zu Geld machen. Dazu kam es nicht (mehr).
Grund genug für zwei Reporter der “Berliner Morgenpost”, Olaf Jahn und Jens Anker, den ungeklärten Fragen nachzugehen. Schon deswegen, weil bei einem ungeklärten Tod - so wie es die Vorschriften vorsehen - immer ein Staatsanwalt auftauchen muss - neben dem kriminalpolizeilichen Ermittlungsapparat. Ein Staatsanwalt indes kam nicht.
Und so erstellten die beiden Redakteure erst einmal eine Skizze, in der sie alles hineinschrieben, was sie wussten, um aus bekannten Verbindungen erste mögliche Zusammenhänge ableiten zu können: als Arbeitshypothese, so wie das auch Kriminalisten machen.