Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 06.01.2016

von Frank THONICKE

HR-Sportchef wirft Handtuch

Hessische/Niedersächsische Allgemeine , 24.03.2004

KASSEL/FRANKFURT. Der Sportchef des Hessischen Rundfunks (HR), Jürgen Emig (58), ist gestern von seinem Amt zurückgetreten. Emig stand im Mittelpunkt einer Affäre, die unsere Zeitung aufgedeckt hatte. Es ging um mögliche Verflechtungen mit der Sponsoring-Agentur seiner Ehefrau Atlanta Killinger, und es ging um Gelder, die Sportvereine für Übertragungen des Hessischen Fernsehens zahlen mussten.

In einer ganze drei Sätze langen Erklärung des Hessischen Rundfunks heißt es, Emig habe gebeten, ihn mit sofortiger Wirkung von seinen Leitungsaufgaben zu entbinden, um angesichts der laufenden Presseveröffentlichungen von sich selbst und vom Hessischen Rundfunk weiteren Schaden abzuwenden. Emig wird innerhalb der Fernsehdirektion des HR andere Aufgaben übernehmen. Die Leitung der Sportredaktion übernimmt kommissarisch der Fernsehchefredakteur des HR, Manfred Krupp.

Jürgen Emig gilt als Rad- und Tanzsportexperte. Immer wieder war er ins Schussfeld der Kritik geraten, weil er, so die Vermutungen, private und berufliche Interessen nicht genau voneinander trennte. Seit seine Ehefrau Atlanta Killinger eine Agentur betrieb, zu der Kunden gehörten, die Sportarten und Vereine finanzierten und so ein großes Interesse hatten, ins Fernsehen zu kommen, nahm die Kritik zu.

Der jüngste Skandal begann mit dem Eishockey-Spiel zwischen den Kassel Huskies und den Frankfurt Lions. Das Zuschauer-Spiel in den Drittelpausen, der Lucky Shot vom Hessenlotto, wurde von der Killinger-Agentur vermarktet. Auffällig war nur, dass das Gewinnspiel einen breiten Raum in dem von Emig verantworteten Fernsehbericht über das Eishockey-Match einnahm.

Im Zuge unserer Recherchen wurde auch klar, dass die Sportredaktion des Hessischen Rundfunks eifrig bei Sportvereinen abkassierte. Diese mussten, wollten sie mit einem längeren Bericht im Fernsehen zu sehen sein, zahlen und sich an den Produktionskosten beteiligen. Leid Tragende waren unter anderem das Askina-Sportfest im Kasseler Auestadion oder das Reitturnier in Spangenberg. Deren Veranstalter mussten fünfstellige Euro-Beträge an den HR oder an eingeschaltete Agenturen überweisen. Medienrechtler halten diese Praxis für verboten.

Gestern Abend reagierte auch die ARD auf die Vorwürfe gegen Emig. Sie zog ihn als Moderator der Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften in Dortmund ab. Laut FAZ.net soll nun Claus Lufen neben Ex-Eiskunstläuferin Katarina Witt die noch bis zum Sonntag dauernden Wettkämpfe moderieren.

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