Prof. DREXLER versus Kollegen Prof. BRÜNING und Tobias WEIß

Prof. Dr. med. Hans DREXLER's Zitat aus dem Buch "Ethik in der Arbeitsmedizin" (Seite 108)

" Ich war früher regelmäßig für die Berufsgenossenschaft der chemischen Indu strie im Rahmen der Begutachtung von Versicherten mit Verdacht auf Vorliegen einer Berufskrankheit 1301 (Harnwegserkrankungen durch aromatische Amine) tätig. Nachdem ich mich kritisch mit dem Arylamin-Richtwert von Herrn Kollegen Brüning auseinandergesetzt habe, erhalte ich nur noch selten ein Harnblasen-Ca zur Begutachtung"

hat folgenden Hintergrund, wie er uns auf Nachfrage am 15. April 2021 mitgeteilt hat:

"Weiß und Brüning hatten in der ASU [Fachzeitschrift "Arbeitsmedizin- Sozialmedizin - Umweltmedizin", Bd. 45.2010, S. 222-234, Titel: "Berufskrankheit 1301 Bewertung der beruflichen (Mit-)Verursachung von Harnblasenkrebserkrankungen unter Berücksichtigung der quantitativen Abschätzung der Einwirkung der aromatischen Amine 2-Naphthylamin, 4-Aminobiphenyl und o-Toluidin", Anm.d.Red.] ... eine Risikoabschätzung vorgenommen und kamen zu dem Schluss, dass bei einer Exposition von 6 mg 2-Napthylamin-Äquivantent ein verdoppeltes Harnblasenrisiko bestehe.

Einzelne UV-Träger ... haben diesen Wert dann als „Abschneidekriterium“ verwendet. Dem bin ich  in meinen Gutachten aber nie gefolgt. Ich habe in mehreren Gutachten danach darauf hingewiesen, dass diese Interpretation nicht richtig ist. Bei Prüfung, ob eine BK vorliegt, ist die Frage entscheidend, ob der berufliche Einfluss im vorliegenden Fall als wesentlich zu betrachten ist. 

Die Risikoverdoppelung ist nur für den Verordnungsgeber relevant, wenn entschieden wird, ob eine Krankheit in die Liste der Berufskrankheiten aufgenommen werden soll (z.B.  BK-Nr. 4104 Lungenkrebs oder Kehlkopfkrebs bei  …mindestens 25 Faserjahren (25 x 106 [(Fasern/m 3) x Jahre]) BK-Nr. 2112 Gonarthrose durch eine Tätigkeit ... mindestens 13 000 Stunden)."

Siehe in diesem Kontext auch unsere Hintergrundanmerkungen im Abschnitt "Das Urteil: über den Harnblasenkrebs, Prof. DREXLER und Dr. PRAGER". Dort gehen wir nochmals auf das Stichwort "Risikoverdoppelung" ein.