Alexander SPÖRI: ein kleines Portrait

Warum er Journalismus macht?

“Weil es Recherchen braucht, die in die Tiefe gehen. Wir werden jeden Tag von einer Flut an Nachrichten überschwemmt. Viele Missstände kommen aber nur ans Licht, wenn jemand Mut und Ausdauer aufbringt, Risiken abwägt und auch unbequemen Geschichten nachgeht. Und weil wir gebraucht werden. Wenn Journalisten nicht hinschauen, deckt diese Missstände niemand auf.”

Bereits als Schüler hatte Alexander SPÖRI angefangen - mit “Moviejam”: Es war eine kleine Schülerfilmgruppe, aus der dann eine kleine Filmproduktion mit Sitz in Taufkirchen wurde: Alexander SPÖRI und Luca ZUG. 

“Wir drehten kritische Dokumentarfilme und Reportagen über das Schulsystem, über psychische Erkrankungen an Schulen und über die Hinterbliebenen des Anschlags am Olympia-Einkaufszentrum. Für „Liken. Hassen. Töten.“ (siehe unten) haben wir dann in einer großen investigativen Recherche rekonstruiert, wie sich junge Menschen im Netz radikalisieren. Danach bin ich in den Nachrichtenjournalismus gewechselt, erst zu t-online, Ende 2023 zur Abendzeitung. Studiert habe ich bewusst nicht, ich wollte das Handwerk durch eigenes Arbeiten lernen”, so SPÖRI.

Die Motivation zur Enrhüllungsgeschichte?

“Am Anfang stand der Hinweis eines amerikanischen Anwalts. Ich lese regelmäßig Zivilklagen aus großen US-Städten, weil Gerichtsakten dort samt Beweismitteln öffentlich sind. So bin ich auf die Bayerische Versorgungskammer gestoßen, die die Altersvorsorge von rund drei Millionen Menschen verwaltet und zugleich eine bayerische Behörde ist, und auf riskante Immobiliengeschäfte in den USA, von denen kaum jemand etwas ahnte. Richtig festgebissen habe ich mich, als die Behörde die Abendzeitung und mich persönlich verklagte. Den Antrag auf einstweilige Verfügung haben wir vor Gericht abgewehrt. Die Versicherten haben ein Recht darauf zu erfahren, was mit ihrem Geld passiert.”

Ausführlicher unter Making-of: Wie die Recherche zur Bayerischen Versorgungskammer entstand.

Und das sagt er, auf die Frage, weshalb Journalismus wichtig ist und was er auf solche Fragen antworten würde:

“Ich würde ihm von den Versicherten der Versorgungskammer erzählen. Ärzte, Apothekerinnen, Architekten, Rechtsanwälte, sogar Landtagsabgeordnete sorgen dort für ihr Alter vor. Dass mit ihrem Geld in den USA Hunderte Millionen Euro verloren gehen, haben viele nicht von ihrer Versorgungskammer erfahren, sondern aus der Zeitung.

Die Behörde hat den Skandal anfangs bestritten. Ohne Recherche wüssten die Betroffenen davon womöglich bis heute nichts. 

Und ich würde ihm vom Anschlag am Olympia-Einkaufszentrum erzählen. Die Tat galt zunächst als Amoklauf, erst drei Jahre später werteten die Ermittler sie als rechtsextrem motiviert. 

Für „Liken. Hassen. Töten.“ haben wir nachgezeichnet, wie sich der Täter im Netz radikalisierte und welche Verbindungen er zu Terroristen hatte. Guter Journalismus heißt für mich, so lange zu graben, bis die Geschichte vollständig ist, beide Seiten fair anzuhören und ehrlich zu bleiben, wenn sich ein Verdacht nicht bestätigt.”

Andere relevante Geschichten von Alexander SPÖRI:

  • "Liken. Hassen. Töten.“ (BR und arte, 2022) über Radikalisierung im Netz rund um den Anschlag am Olympia-Einkaufszentrum
  • Abendzeitung 2026: Ein Video aus Budapest zeigt ein Vorstandsmitglied der bayerischen AfD-Jugend neben einem bekennenden „Nationalsozialisten“. Nach der Veröffentlichung trat er zurück.
  • Abendzeitung 2024 bis 2026: Recherchen zum Ludwig von Mises Institut Deutschland, danach beendete der Bayerische Hof die Zusammenarbeit

Alexander SPOERI ist ansprechbar unter alexander.spoeri [at] abendzeitung [dot] de