Später kam ihm die Idee einer Selbsthilfe-Sparkasse: Beim " Flammersfelder Hülfsverein zur Unterstützung unbemittelter Landwirte" konnte jeder Geld (an)sparen, aber auch günstig ausleihen, z.B. zum Kauf von Vieh. Der "Heddesdorfer Darlehnskassenverein" einige Jahre später verkörperte dann schon sehr viel mehr eine Bank, aber eben genossenschaftlich organisiert. Seine Idee und sein konkretes Konzept beschrieb RAIFFEISEN dann 1866 in einem umfangreichen Buch: "Die Darlehnskassen-Vereine als Mittel zu Abhilfe der Noth der ländlichen Bevölkerung sowie auch der städtischen Handwerker und Arbeiter. Praktische Anleitung zur Bildung solcher Vereine, gestützt auf sechzehnjährige Erfahrung, als Gründer derselben".
Hier (siehe aktives Bild) lässt sich das 226 Seiten umfassende Werk aus dem Jahr 1866 lesen - die Universitätsbibliothek Frankfurt hat es eingescannt und online gestellt (26 MB!): lesenswert!
Der erste Darlehnskassenverein von Heddesheim wurde zum Vorbild für die heutigen Raiffeisen- und Volksbanken weltweit. Und Genossenschaften sind noch immer eine Alternative für viele Menschen, wenn es um kostengünstiges Wohnen, um gemeinsame Vermarktung (z.B. Winzergenossenschaften), Medien (z.B. taz, die tageszeitung), Dienstleistungen (z.B. Domainregistrierung bei DENIC) u.a. geht.
Man muss nicht immer alles über "die Märkte" abwickeln, die nach anderen Spielregeln funktionieren als die genossenschaftliche Idee. "Freie Marktwirtschaft" heißt auch: Man darf auf Alternativen setzen.
(JL)