Die Tabakindustrie hat es seinerzeit erfolgreich vorexerziert. Als die Zigarettenkonzerne 1952 nach einem zweiseitigen und mit wissenschaftlichen Erkenntnissen unterlegten Bericht über Krebs durchs Rauchen in der weltweit verbreiteten Zeitschrift „Reader’s Digest“ ihr letztes Stündlein kommen sahen, eilte ihnen eine große PR-Agentur zu Hilfe, Hill & Knowlton - eine Truppe von ausgefuchsten Kommunikationsmanagern, die zuletzt durch die von ihnen inszenierte „Brutkastenlüge“ international aufgefallen war: Um die letzten Zweifler 1990 im US-Kongress von der Notwendigkeit eines Eingreifens in den ersten Golfkrieg zu überzeugen, lancierten sie in den Medien Berichte, nach denen plündernde irakische Soldaten in kuweitischen Krankenhäusern Brutkästen stehlen und dabei über 300 Frühgeborene sterben lassen würden.
Um den Öffentlichkeitswirkungen der wissenschaftliche Erkenntnisse der ersten großen flächendeckenden Untersuchung Anfang der 50er Jahre über den Zusammenhang zwischen Rauchen und Krebs etwas entgegenzusetzen, gaben die Kommunikationsstrategen den Unternehmen diesen Rat: Wissenschaft mit Wissenschaft zu bekämpfen. Das Motto: „doubts must remain“. Konkret: mit alternativen, sprich eigens in Auftrag gegebenen Studien die Aussagekraft und Zuverlässigkeit der wissenschaftlichen Erkenntnisse unabhängiger Wissenschaftler mit gegenteiligen Ergebnissen zu erschüttern. Kurz gesagt: Zweifel an deren Aussagen in der öffentlichen Meinung zu säen.
Dieses Kommunikationsprinzip wird bis heute praktiziert.
