Die Recherche sollte eigentlich in eine einzige große WCCB-Geschichte auf einer Doppelseite Ende August münden, doch dann erreicht am Freitag, den 21. August 2009 ein dickes Kuvert die Zeitung. Der Verteiler: Express, DER SPIEGEL, Die Welt, GENERAL-Anzeiger, Bonner Rundschau, Kölner Stadt-Anzeiger, BILD.
Als Absender ein Name: eine Person, die vor Jahren gestorben ist. Inhalt: Kopien von Dokumenten, E-Mails, Verträgen, Gesprächsnotizen. Im Kuvert steckt das Skelett eines Wesens, sozusagen die vierte Erkenntnisebene, während das Redaktionsteam noch am Phantombild dieses Wesens bastelt. Wochen später wird die Redaktion erkennen: alles Schlüsselpapiere, aber keine sich selbst erklärenden.
Eine Zeitungsredaktion erhält viel Post. Wichtiges, Unwichtiges, Überflüssiges. Aus Urlaubsgründen des Adressaten wird das erwähnte Kuvert erst abends gegen 18 Uhr geöffnet. Der darin bekannt gegebene Verteiler kann, muss aber nicht stimmen. Wenn er stimmt, haben die anderen Medien acht bis zehn Stunden Vorsprung. Zumindest für die Blattplanung am nächsten Tag. Da das WCCB-Team des GA aber bereits seit Wochen an dem Fall sitzt, entscheidet die Chefredaktion, das bisher Recherchierte am Samstag, den 22. August 2009 zu veröffentlichen. Kurzerhand wird um 20 Uhr die gesamte Zeitung umgebaut. Überschrift: Die Millionenfalle. Teil I steht nicht dahinter. An eine Serie denkt (noch) niemand.
Groß ist das Erstaunen am Erscheinungstag und den folgenden Tagen: keine Zeile zum WCCB von anderen Zeitungen. Offenbar konnte keine Redaktion mit dem „Kuvert des Toten“ etwas anfangen und war der GA-Recherche-Vorsprung beim Zusammensetzen des WCCB-Puzzle unerwartet groß.
Einige inhaltliche Tests an bestimmten Dokumentenstellen aus dem „Toten-Kuvert“ – im Vergleich zu den bisherigen Recherche-Ergebnissen – ergeben: Passt! Es ist unausgesprochen der Start einer Serie. Die Entschlüsselung möglicher Zusammenhänge und Hintergründe schreitet weiter fort. Es deutet sich an: Die Stadt Bonn könnte bereits in der vorentscheidenden Investor-Suchphase Opfer eines perfiden, generalstabsmäßigen und ausgeklügelten Plans geworden sein, ausgeheckt von einem koreanischen Netzwerk, in dem jeder hochspezialisiert seine Rolle spielte.
