Zum ersten des Monats tritt das "Gesetz der Kinder vor Informationen, die ihrer Gesundheit und Entwicklung Schaden zufügen" in Kraft. Bedeutet: Zuständige Behörden (Kommunikationsaufsicht, Verbraucherschutz, Föderale Dienste für Rauschgiftkontrolle u.a.) können bestimmte Internetseiten über das Portal www.zapret-info.gov.ru auf eine "Schwarze Liste" setzen, die dann gesperrt werden.
Auch in Deutschland hatte es einen ähnlichen Versuch gegeben, mittels des Vorwandes des Schutzes von Kindern und Minderjährigen die generelle Möglichkeit zu schaffen, 'unerwünschte' Internetseiten aus dem Verkehr zu ziehen: mitten im Wahlkampf des Jahres 2009 durch die damalige Bundesminister für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Ursula von der LEYEN (CDU). Die Folge: eine Welle des Protestes durch alle Reihen. Nicht gegen das Vorhaben an sich (für das es ausreichend Verbotsmaßnahmen gibt), sondern gegen die nicht ausschließbare Möglichkeit, über die Hintertür Zensur ausüben zu können. Die Ministerin musste sich fortan nolens volens mit dem Spitznamen "Zensursula" anfreunden.
Diesesmal findet der Petersburger Dialog in Moskau statt: Vertreter beider Regierungen (Russland, Deutschland) sowie der Zivilgesellschaft und diverser Branchen sowie gesellschaftlicher Ebenen diskutieren miteinander. Thema: die Informationsgesellschaft im 21. Jahrhundert.
Wie ein offizieller Vertreter der Duma das sieht, Wjatscheslaw NIKONOW, zuständig bei der Staatsduma für "internationale Angelegenheiten", erklärt er dem Radiosender Stimme Russlands : "Unsere deutschen Freunde glauben, dass sie uns tatsächlich belehren können, wie wir demokratische Institutionen entwickeln sollten. Und das, obwohl alle demokratischen Institutionen aus einem bestimmten Boden erwachsen, sich ausgehend vom Verhältnis der politischen Kräfte und der politischen Kultur in einem bestimmten Land entwickeln. Für unsere deutschen Freunde wird das dazu führen, dass sie sich ein wenig mehr damit vertraut machen, was in Russland vor sich geht, was Russland darüber denkt, wie Deutschland über es räsoniert. Jeder Dialog gestattet es, die Positionen zu klären und ein wenig intelligenter zu werden."
Bundeskanzlerin Angela MERKEL kritisert die innere Entwicklung Russlands öffentlich, spricht das Thema Pussy Riot an usw. PUTIN kontert. MERKEL stellt klar, dass Kritik "nicht destruktiv" sein müsse. Und: "Wenn ich da immer gleich eingeschnappt wäre, könnte ich nicht drei Tage Bundeskanzlerin sein." (Mehr bei SPIEGEL ONLINE ).
Nur wenige Tage später tritt das Gesetz über "ausländische Agenten" in Kraft. Gemeint: NGO's (Nichtregierungsorganisationen), die sich u.a. mit Geld aus dem Ausland finanzieren. Dies betrifft sowohl russische NGO's wie "Memorial" als auch ausländische Stiftungen wie etwa die Arbeit der "Konrad-Adenauer-Stiftung" in Moskau. Die russische Zentralbank weist dazu alle russischen Banken an, Überweisungen an solche NGO's von über 200.000 Rubel (ca. 5.000 €) an die föderale Behörde für Finanzaufsicht zu melden