TOR - Netzwerk

Digitale Sicherheit ist relativ

Hunderprozentige Sicherheit für oder gegen etwas gibt es nirgendwo und gab es nie. Sicher ist nur, dass jeder von uns irgendwann nicht mehr am Leben ist. Ähnlich ist es mit dem Schutz gegen Überwachung. Schon deswegen, weil jene, die es machen, über größere und ausgefeiltere Kapazitäten verfügen. Was jeder individuell machen kann, entspricht ähnlich jenen Vorkehrungen, um Einbrüche in die Wohnung oder ins Büro zu verhindern: Indem man es den ‘Bösewichten’ möglichst schwer macht. Und die sich überlegen müssen, ob der Aufwand lohnt, in ihre Kommunikation einzubrechen.

Seit Edward SNOWDEN wissen wir, was die NSA macht und wie sie es macht. SNOWDEN hatte 2013 über den britischen “Guardian” die Welt beispielsweise über das Programm “XKeyscore” aufgeklärt. Die Schulungs- bzw. Aufklärungspräsentation der NSA auf 32 ppt-Folien lässt sich auf der Guardian-Website anschauen. Seither wissen deshalb dies: Wer im Internet nach “TOR” sucht und dann auf die originale Website geht, nämlich www.torproject.org (ist hier absichtlich nicht aktiv geschaltet!), wird mit großer Wahrscheinlichkeit digital beobachtet. Und registriert. Als potenzieller Extremist.

Deshalb empfehlen wir, den TOR-Browser nicht von der originalen Website downzuloaden, sondern diesen mittels einer käuflichen CD als Beilage einer IT-Zeitschrift zu kaufen oder ihn beispielsweise über “chip.de” zu organisieren. Im dortigen Downloadbereich unter “Browser, Kommunikation & Online-Tools” > “Browser” lässt sich auch der TOR-Browser kostenlos abholen. (Stand Mai 2026: Version 15.0.15, deutsch).

Das Netzwerk

Wie das TOR-Netzwerk funktioniert, darüber hat vermutlich jeder eine Vorstellung. Wir erklären es sicherheitshalber nochmals komprimiert. Wer die technischen Details erfahren will, kann das auf WIKIPEDIA oder wikiwand (English) tun. Wir konzentrieren uns auf das Praktische. Dazu ist es hilfreich, zu verstehen, wie ein TOR-Browser arbeitet. Weil man dann auch etwaige Probleme besser versteht.

Das Konzept dieses Tools ist in der Bezeichnung “The Onion Router”, kurz: TOR, enthalten. Wer mit diesem Browser in dieses spezielle Netzwerk ins Internet einsteigt, macht dies über verschiedene Rechner von über Tausenden Personen und Institutionen, darunter auch bekannte Universitäten, Menschenrechtsorganisationen und anderen NGO's. Dabei arbeitet man sich bis zum gewünschten Ziel oder bereits bei der Suche danach - bildlich gesprochen - quasi durch mehrere Zwiebelschalen hindurch, die es Überwachern erheblich erschweren, einen einzelnen Surfvorgang zu nachzuverfolgen.

Konkret: Man wählt sich als “Client” (Fachsprache) über den Browser bereits hier anonymisiert und verschlüsselt in einen ersten Rechner ein, der dann die Suche an mindestens drei andere Rechner weiterleitet, die man “Relays” nennt. Die werden zufällig ausgewählt, geben ebenfalls alles wieder erneut verschlüsselt an einen nächsten weiter und die Abfolge bzw. Reihenfolge solcher Relay-Stationen wechselt in regelmäßigen Zeitabständen. 

Am Ende treten Sie wieder aus und sind auf der gewünschten Domain gelandet. Den letzten Rechner in diesem weltweiten Rechner-Netzwerk nennt man Austrittsknoten ("exit node"), der Ihre Suche dann zum Ziel weiterleitet. Dieses Ziel kann überwacht werden. Aber ein Überwacher weiß nicht, wer da gerade auf einer Website gelandet ist und sich dort umschaut. 

Beim allerersten Mal übrigens lädt sich der TOR-Browser ein Verzeichnis aller weltweiten Server herunter, die als Relay-Stationen in Frage kommen können.

Grafisch sieht dies so aus:

Quelle: www.wikiwand.com/en/Tor_(network). Anklicken öffnet das Original

TOR einrichten

Nichts einfacher als das, kann man wirklich sagen/schreiben: 

(1) Downloaden, die exe-Datei anklicken, die gewünschte Sprache einstellen und der Browser entpackt sich selbstständig. Er erscheint gleichzeitig als Icon auf Ihrem Rechner. Der TOR-Browser ist eine modifizierte Anwendung des Firefox-Browsers.

(2) Nach Entpacken erscheinen diese Optionen:

  • “Mit Tor verbinden”
  • “Immer automatisch verbinden”, ja oder nein
  • “Verbindung konfigurieren” (erst mal weglassen) oder einfach nur “Verbinden”. Wählen Sie “Verbinden.

(3) Letzteres geschieht von selbst, indem auf Ihrem Rechner jetzt das Verzeichnis aller angeschlossenen Server aufgespielt wird. Danach erscheint die Suchmaschine “DuckDuckGo”, mit der Sie lossurfen können. 

(4) Bevor Sie ins Netzwerk einsteigen, empfehlen wir dies:

In der Adresszeile ganz oben, wo es heißt “Mit DuckDuckGo suchen oder Adresse eingeben”, ist rechts ein Icon angebracht, der wie ein Ritterrüstungsschutzschild aussieht. Dort können Sie verschiedene “Sicherheitsstufen” einstellen. 

Voreingestellt ist “Standard”. Unter “Einstellungen” haben Sie unter “Ändern” die Wahl, statt “Standard” entweder “Sicherer” oder “Am sichersten” auszuwählen:

  • "Sicherer” bedeutet, dass Sie HTML5-Videos nur noch eingeschränkt abspielen lassen können.
  • Bei “Am sichersten” kann der Browser nicht immer alle Bilddateien öffnen.

Empfehlung: Nutzen Sie “Sicherer” als Kompromiß. Nach Bedarf können Sie jederzeit die Sicherheitseinstellungen wieder ändern.

(5) Um die Einstellungen zu speichern, fordert Sie der Browser jetzt auf, den “Tor Browser neu zu starten”. Machen Sie das. 

(6) Und schon kann es losgehen. Rechts in der Suchmenüzeile können Sie nun “onionisieren” auswählen. Bedeutet: Sie entscheiden damit, ob Sie ganz normal ohne TOR im Web surfen wollen oder via TOR-Netzwerk. Letzteres können Sie bei jeder Sucheingabe unterschiedlich handhaben:

Rechts oben das Schutzschild für die Sicherheitslevel-Einstellungen, daneben die Option einen weiteren Vorgang mit "neuer" anonymer Identität zu starten, wozu aber der TOR-Browser neu gestartet werden muss. Daneben ganz rechts die üblichen Einstellungsoptionen.

 

Fertig!

Bitte nicht wundern. Da Ihre Suche jetzt a) verschlüsselt, b) anonymisiert durch c) ein weltweit aufgespanntes Netzwerk wandert, verlangsamt dies Ihre Suche. Aber niemand kann Sie jetzt beobachten.

Letzte Empfehlung

Im Kapitel Sichere Kommunikation weist der Autor des Kapitels, Michael Georg SCHMIDT, darauf hin, den TOR-Browser in Kombination mit einem VPN zu benutzen. Das verhindert, dass Sie irgendjemand auf dem Weg in das TOR-Netzwerk, also auf dem Weg in den Einstiegsknoten ("Entry Node" oder auch als “Guard” bezeichnet) beobachten kann. Damit sind Sie nochmals um eine Stufe sicherer unterwegs.

Johannes Ludwig