Seine vom China Scholarship Council geförderte Promotion schloss er im Dezember 2023 ab. Zu diesem Zeitpunkt prüfte die “Ständige Kommission zur Untersuchung von Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens” bereits die anderen Verdachtsfälle. Der Titel seiner Arbeit lautet: „Optimization of thermodynamic systems“. Erstgutachter: Prof. Dr. Klaus KROY.
Erneut handelt es sich um eine kumulative Dissertation. Die Vorgehensweise ähnelt der von FALASCO und LÄMMEL. Diesmal werden 5 Gemeinschaftspublikationen verwendet, die mit 5 weiteren Autoren von Universitäten
- in Tschechien,
- dem Vereinigten Königreich,
- Spanien
- und der Schweiz
entstanden sind. Unter den Autoren ist auch wieder Dr. Viktor HOLUBEC, der nach seinen eigenen Aussagen zumindest in 2 Fällen das „Aufpolieren“ von Doktorarbeiten übernommen hat.
Typischerweise wurden auch hier die Fachartikel ohne Seitenzahlen in die Dissertation hineinkopiert und auch in dieser Arbeit sucht man vergeblich eine Darstellung des schriftlichen Eigenanteils von „Dr. YE“. Stattdessen reklamiert er in den „Author Contributions“ für sich, bei Forschungsprojekten Simulationen durchgeführt, seine Kollegen unterstützt und einige Ideen in die Projekte miteingebracht zu haben.
Doch Promovieren bedeutet nicht nur fleißiges Forschen im Labor, sondern vor allem Schreiben, denn es muss eine schriftliche Promotionsleistung erbracht werden. Dies ist hier offensichtlich erneut nicht geschehen, da es auch dieser Arbeit an der vom Gesetz und dem Bundesverwaltungsgericht explizit geforderten Eigenständigkeit mangelt. Das deutsche Recht lässt gemeinschaftliche Doktorarbeiten nicht zu.
Auch andere Dinge erscheinen merkwürdig. So hat KROY die Betreuung offenbar an HOLUBEC delegiert, der kein Professor und seit 2020 gar nicht mehr an der Uni Leipzig tätig ist. Ein externer Postdoc als Doktorvater? Einen Monat nach Verleihung des Doktorgrades wird der Dissertation nachträglich noch eine „Declaration of Independence“ hinter dem Deckblatt hinzugefügt, offenbar als Reaktion auf die mediale Berichterstattung. Was eine solche „Selbstständigkeitserklärung“ bringen soll, wenn die Arbeit offenkundig aus Gemeinschaftsproduktionen besteht, weiß niemand. Doch offenbar scheinen Dr. YE Bedenken aufgekommen zu sein.
Die informelle AG „Gemeinschafts-Doktorarbeit“ hat sich die Arbeit genau angesehen und in ihrer Bewertung der Doktorarbeit dokumentiert.
Gemäß der Alumni-Webseite von Prof. KROY ist Zhuolin YE nach China zurückgekehrt. Wir haben ihn gefragt, wo sein eigener schriftlicher Anteil an den verwendeten Fachartikeln liegt, ob er von der bereits seit vielen Monaten laufenden Untersuchung gegen seine Kollegen GEIß, AUSCHRA, STEFFENONI, FALASCO und LÄMMEL wusste und warum er sich keine Beratung innerhalb der Universität gesucht hat.
Antworten erhalten wir nicht.