
Theorie und Praxis sind immer dann zwei verschiedene Dinge, wenn beide Ebenen nicht miteinander abgeglichen werden. Wenn sich die Praxis anders darstellt als die Theorie, kann die Theorie nichts taugen. Allenfalls dazu, damit reale Probleme zu verbrämen.
Genau dies ist hier der Fall.
Die sogenannte Parität, also die gleichberechtigte Stimmenverteilung in den formalen Gremien des GUV-Systems ist das, was immer wieder hervorgekramt wird, um von den realen Problemen abzulenken. Die gängige, aber absolut vordergründige Argumentation lautet: Weil Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Vorstand und der Mitgliederversammlung, aber auch im sog. Widerspruchs- bzw. Rentenausschuss gleichermaßen vertreten sind, herrsche dort Waffengleichheit. Bzw. würden Arbeitgeber- und Arbeitnehmerinteressen ausgeglichen.
So die gängige Theorie.
Die reale Praxis sieht vollkommen anders aus. Und wer davon weiß, der versteht auch die wirklichen Probleme. Wer nur mit der formalen Paritäts-Theorie argumentiert, gibt zu erkennen, dass er nicht gut informiert ist - egal aus welchen Gründen, ob politisches Desinteresse oder einfach nur Bequemlichkeit.
Das sind die Probleme, die sich hinter dem Schein einer "paritätischen" Besetzung der Gremien verbergen:
Wegen der Probleme 1 und 2 sieht so die Realität in den Erledigungsausschüssen aus (oft auch als Rentenausschüsse bezeichnet) so aus:
Reinhold KONSTANTY, ehemaliges Mitglied im Hauptvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und seinerzeit zuständig für Arbeitsschutz, berichtet uns heute dies: Eine solche Sitzung startet beispielsweise um 16 Uhr, oft erst beginnend mit Kaffee & Kuchen, Dann wird ein Rollwagen hereingeschoben, auf dem 82 Akten liegen. Der oder die BG-Vertreter kündigen an, dass man dafür wohl 2 bis 3 Stunden benötige und dann alles erledigt sei.Anders gesagt: ungeschulten nebenberuflichen Vertretern der versicherten Arbeitnehmer stehen spezialisierte und geviewte Sachbearbeiter und/oder Abteilungsleiter gegenüber, die ihren Job im Hauptberuf machen. Und dabei die berufsgenossenschaftliche Institutionenphilosophie vertreten: möglichst wenig Ausgaben!
Mit diesen Informationen kann jeder die in der Überschrift enthaltene Frage selbst beantworten.
Hinweis:
Dieser Text lässt sich auch direkt aufrufen und verlinken unter www.ansTageslicht.de/Paritaet.
(JL)