Am Samstag, den 9. Mai 1936 - eine Woche nach den Feiern zum »Tag der Arbeit« -, erscheint im Duisburger »Generalanzeiger« eine ganzseitige Annonce:
»Das ist Horten! Jawohl, Sie haben richtig gesehen: das Alsberg-Haus hat seinen Hausherrn gewechselt, ist in arischen Besitz übergegangen«.
Der Name »Alsberg« ist zwischen Kassel im Süden, Köln im Westen und Hildesheim im Nordosten ein Begriff für Qualität: rund sechzig Fachgeschäfte haben sich im »Alsberg-Konzern« zusammengeschlossen. Das Rezept - Preisvorteile durch Großeinkauf, die in Form günstiger Verkaufspreise bei einheitlicher Markenqualität an den Kunden weitergegeben werden - hat die Alsberg-Häuser zu wirtschaftlicher Blüte geführt. Jetzt wird der Alsberg-Konzern »entjudet«.
Die drei Dachgesellschaften kommen als erste dran. Die zentrale Einkaufsgesellschaft »Alsberg-Eteg-Konzern AG« mit Sitz in Köln, an der alle lokalen Alsberg-Geschäftsinhaber als Aktionäre beteiligt waren, heißt seit Dezember 1933 »Rheintextil AG«. Die zentrale Verteiler- und Großhandelsfirma »Gebr. Fried & Aisberg GmbH« wird in »KMT Kölnische Mode- und Textilgroßhandlung GmbH« umbenannt. Aus der »Gebrüder Alsberg AG« wird »Kaufhaus Kortum AG« in Bochum.
Den Namensänderungen der Dachgesellschaften gingen personelle Veränderungen voraus: Nach und nach wurden die Firmengründer bzw. deren Nachkommen herausgedrängt. Jetzt sind die sechzig Einzelhandelsgeschäfte und Textilkaufhäuser an der Reihe. Gebraucht werden energische und hartgesottene Kaufmänner, die nicht nur die zurückgefallenen Verkaufsumsätze wieder in die Höhe bringen, sondern auch die Verkaufsverhandlungen mit den jüdischen Besitzern zu führen imstande sind.
