Ein kantiger Bau, auf der Fassade ein Wabenmuster: Der einst größte Standort von „Karstadt Sports“ in Berlin sticht noch immer hervor. An der Kreuzung von Joachimsthaler Straße und Kantstraße, unweit des Bahnhofs Zoo, gab es auf vier Etagen ein riesiges Angebot an Fußbällen, Fitnessgeräten oder Skiausrüstungen – bis zur Schließung im Jahr 2020.
Unsichtbar ist heute hingegen die Vergangenheit des Ortes unter dem Nazi-Terror. Ehe in den 1950er-Jahren ein Warenhaus entstand, lebten an dieser Stelle zwei mutige Frauen: Gertrud SCHOENBERNER (geboren 1874) und ihre Adoptivtocher Anna SCHOENBERNER-MÜLLER (geboren 1894). Sie waren Widerstandskämpferinnen gegen das NS-Regime. Ihr Wohnort war die Kantstraße 159. Dort, wo heute (2024) das Geschäftsgebäude (mal wieder) umgebaut wird.
Die Geschichte von Gertrud SCHOENBERNER und Anna SCHOENBERNER-MÜLLER ist nirgendwo in Berlin dokumentiert. Das ist erstaunlich, denn fernab ihrer Heimat sind die beiden Frauen schon vor langer Zeit geehrt worden. Die israelische Gedenkstätte Yad Vashem hat sie nach ihrem Tod als „Gerechte unter den Völkern“ anerkannt – als zwei von nur etwas mehr als 650 Deutschen. Die Auszeichnung erfolgte am 27. August 1997. Ihre Namen sind seitdem auf der Ehrenmauer im Garten der Gedenkstätte verewigt.
