Die Nachrichten, die sich oft wie ein Lauffeuer von Mund zu Mund verbreiteten - Juden mussten 20 Tage nachdem die deutschen Soldaten Polen überfallen und den größten Krieg aller Zeiten begonnen hatten, alle ihre Radios abgeben - versprachen nichts Gutes:
- Da soll es ein Schiff “St. Louis” gegeben haben, mit fast 1.000 Juden an Bord, die nicht nach Kuba einreisen durften, obwohl sie genau dafür bezahlt hatten; jetzt sollen sie zumindest im Ausland, in den Niederlanden und Belgien, angelandet und in Sicherheit sein.
- Hier auf deutschem Boden sollen Juden demnächst nur noch zwischen 15.30 und 20.00 Uhr einkaufen dürfen und die Lebensmittelkarten würden mit einem “J” gekennzeichnet sein. Ein ‘arischer’ Ladenbesitzer kann dann selbst entscheiden, wem er mit dem wenigen, was jetzt rationiert ist, den Vorzug gibt.
Die Nachricht von Ignatz NACHER's Tod, nachdem er kurz vor Kriegsbeginn nach Zürich ausreisen durfte, war bereits ein erster Schock. Jetzt - im August 1940 - ist auch Thomas' Großvater gestorben.
‘Gestorben’ - weitgehend - auch der schnelle Nachrichtenaustausch. Die Deutsche Post hat inzwischen allen Juden die Telefone abgeschaltet. Die Kommunikation mit Verwandten, Freunden und Bekannten wird immer schwieriger. Trotzdem: Zu Peter's 7. Geburtstag im Oktober kommen nochmals die Familien zusammen. Und auch am 6. Januar 1941, als Thomas 11 Jahre alt wird.
1941
Die aufpeitschenden Siegeshymnen, die ständig durchs Radio dudeln, gehen an den Menschen jüdischen Glaubens vorbei: Sie haben keine Volksempfänger mehr, wissen nicht, dass die deutschen Soldaten nach dem Überfall auf Dänemark und Norwegen, den “Blitzkriegen” danach in Holland, Belgien und dem nördlichen Teil von Frankreich jetzt den Balkan in Besitz genommen haben und auch schon in Nordafrika angelandet sind. Dort plündern die Deutschen so gut wie alles, Bodenschätze, Getreide, Nahrungsmittel, verladen es mit Hilfe der Deutschen Reichsbahn in Güterzugkolonnen, um zuhause die Kriegsproduktion füttern zu können, um so mit der Wehrmacht immer tiefer in die Sowjetunion vorstoßen zu können.