Ideal und zentral gelegen: wenige Meter vom Potsdamer Platz und dem großen Bahnhof entfernt, da wo Geschäftsleute den ganzen Tag über ein- und aussteigen und sich die Touristen und Besucher tummeln - neben den vielen und regelmäßigen Stammkunden wichtige Käufer. Und sie hatte Stammkunden, auf die sie gerne verzichtet hätte; die wußten lange Zeit nicht, dass sie in einem jüdischen Geschäft einkauften und sich dort die Fotoabzüge aus ihren Urlauben, Feten zuhause und ihren Kids und allen sonstigen privaten Aufnahmen machen ließen. Zum Beispiel
- Julius STREICHER, der Judenhasser per se, NSDAP-Gauleiter von Franken und Herausgeber des Hetzblattes „Der Stürmer“. STREICHER hielt sich oft in Berlin auf, dienstlich.
Dienstlich gleich um die Ecke in der Prinz-Albrecht-Strasse: da wo sich die Gestapo-Zentrale befand, Hausnummer 8. - Auch deren Chef war ständiger Kunde: Heinrich HEYDRICH. Er sollte später zum Leiter des Reichsicherheitshauptamtes aufsteigen.
Elisabeth, genannt Ilse NEUMANN, Tochter von Rudolph, konnte damit leben. Sie wollte nur eines: überleben.
Das Geschäft war ihre Existenzgrundlage. Und lange ging alles gut. Ersteinmal.
Der Name war ihr Schutz. Jedenfalls lange. „NEUMANN“ klingt arisch, nicht jüdisch.
