Zu dieser Zeit schmort Rudolf AUGSTEIN im Hamburger Untersuchungsgefängnis. "Neue Gesellschaft", die politische Bildungsarbeit leistet, hat für abends 20 Uhr im Hörsaal B der Hamburger Universität eine Podiumsdiskussion angesetzt: mit hochrangiger Besetzung: Hans Detlev BECKER für den SPIEGEL, Henri NANNEN für die Illustrierte stern, Axel EGGEBRECHT vom NDR, je einem Bundestagsabgeordneten von der SPD, Gustav HEINEMANN (später Justizminister und Bundespräsident) sowie von der CDU, Prof. Eugen KOGON und andere Medienvertreter.
Auch STRAUSS ist eingeladen. Kommt aber nicht.
Das Interesse an dieser Diskussionsveranstaltung ist groß. Größer als es die Veranstalter vermutet hatten. Die Podiumsdiskussion kann nicht stattfinden. Während der Hörsaal (400 Sitzplätze) mit bereits 900 Personen längst überfüllt ist, wollen weitere 500 Interessierte hinein. Es kommt zum Chaos, Scheinwerfer fallen um, die ersten kreischen, auf den Gängen unten herrscht Tumult, alles gerät außer Kontrolle.
ie Veranstalter blasen um 20:10 alles ab. Sie setzen die Diskussion nochmals an: für morgen, und dann im Audimax. Dort finden 4.000 Personen Platz.
Kurz zuvor haben sich vor dem Hamburger Untersuchungsgefängnis mehrere Hundert Personen eingefunden. Sie rufen seit mehreren Stunden den einen Slogan:
"Nun wolln wir alle schrein:
Augstein raus und Strauss hinein!"
Den Vollzugsbeamten ist das nicht geheuer. Sie alarmieren das Polizeipräsidium und die wiederum den zuständigen Senator Helmut SCHMIDT. Der fährt zum "UG" und spricht mit den Studenten. Er könne ihre Empörung verstehen, man dürfe aber nicht das eine Unrecht mit einem anderen vergelten und Rudolf AUGSTEIN befreien. Genau das hatten die Vollzugsbeamten befürchtet.
SCHMIDT kann die Menge beruhigen.
Beruhigen kann er auch wenig später die noch ausharrenden Studenten im Hörsaal B, die nicht weichen wollen und in Sprechchören "Hörsaalwechsel" fordern. Auch hier kann Helmut SCHMIDT die aufgebrachten Menschen beschwichtigen. Einige von ihnen gehen und ziehen jetzt vor das Untersuchungsgefängnis, wo sich die erste Ansammlung aufgelöst hat. Jetzt muss SCHMIDT erneut seine Überredungskünste unter Beweis stellen: