Andere Informationsanbieter

Hinweis

Dieser Text bzw. dieses Kapitel lässt sich direkt aufrufen und verlinken unter www.ansTageslicht.de/Informationsanbieter und gehört zum Themenschwerpunkt Investigativer Journalismus / Investigatives Recherchieren: www.ansTageslicht.de/investigativ.


Darum geht es hier

“Informationen” können vieles sein: Unternehmensdaten wie sie etwa das Handelsregister ausweist; Angaben, auf welchen Routen welche Schiffe auf den Meeren unterwegs sind; was Menschen auf Social-Media-Plattformen posten; wo man im Darknet Drogen und anderes kaufen kann, undsoweiter.

In diesem Themenabschnitt geht es ausschließlich um unternehmensnahe Daten: um solche, die über die Geschäftstätigkeit Auskunft geben und/oder über Personen, die solche Firmen managen.

Potenzielle Quellen für alle anderen Arten von Informationen finden sich hier unter verschiedenen Themen und Aspekten, die zu diesem Themenschwerpunkt Investigativer Journalismus / Inveszigatives Recherchieren gehören:

OSINT-Techniken; Datenbanken; Sujets u.a.

In der Regel beginnt man eine Informationssuche mit Google. Auf was man dabei achten kann bzw. sollte, haben wir beschrieben unter Personensuche und persönliche Daten im Themenabschnitt OSINT-Techniken. Manche steigen dann - parallel dazu oder zusätzlich - auch auf WIKIPEDIA um. Da sollte man aber berücksichtigen, dass diese weltweite Lexikonplattform sich methodisch durch sogenannte Schwarmintelligenz nährt: Jeder kann da schreiben bzw. sich verwirklichen. Manchmal bemängeln die dafür zuständigen Administratoren, dass Texte nicht gut genug belegt sind. In jedem Fall bedeutet Schwarmintelligenz: erst schreiben/veröffentlichen, danach dann sich darauf verlassen, dass Fehler - nachträglich - korrigiert werden. 

Für ansTageslicht.de ist dies keine Option. Wir müssen für das, was wir online stellen, im Zweifel presserechtlich haften. Deswegen prüfen und checken wir zuerst, bevor wir an die Öffentlichkeit damit gehen. 

Bei WIKIPEDIA ist das eben anders. Man kann diese Ressource trotzdem nutzen, sollte sich aber im Klaren darüber sein, dass nicht alles, was da steht, zutreffend und/oder vollständig sein muss, also nicht unbedingt verlässlich ist. Schon deswegen nicht, weil insbesondere große Institutionen Mitarbeiter beschäftigen, deren Hauptaufgabe darin besteht, unvorteilhafte Information zu löschen. Und vorteilhafte hervorzuheben. 

Wer sich für unsere eigenen Erfahrungen mit der “freien Enzyklopädie” interessiert, kann das hier nachlesen.

Diese Site lässt sich direkt aufrufen und verlinken unter www.ansTageslicht.de/Informationsanbieter.

Pressedatenbanken

Für jeden Journalisten ein “Muss”. Schon deswegen, um zu erfahren, ob nicht schon längst irgendjemand anderes genau das recherchiert und veröffentlicht hat, woran man selber gerade arbeitet. Jeder Verlag hat ein solches digitales Archiv. Aber nicht jeder lässt jeden ksotenlos rein. Manches findet man via Google, zumindest angeteasert. Dann kann man dort gezielt nachfragen.

Die großen Medienhäuser wie DER SPIEGEL, DIE ZEIT, Süddeutsche, FAZ, Welt und andere haben inzwischen ihre gesamten Bestände digitalisiert und man findet via Stichwort praktisch alles.

Bei anderen ist vieles, insbesondere Älteres nicht digitalisiert. Da muss man schauen. Bibliotheken sammeln meistens die wichtigsten überregionalen bzw. nationalen Blätter und Zeitschriften und die lokalen sowieso. Die zeitnahen Jahrgänge oft im Original (Lesesaal) und paralle dazu auch digital. Ältere Jahrgänge in Printform schmoren meist in einem Archiv, sprich Lager(raum), man muss diese vorbestellen. Die Suche wird dann aufwendig, insbesondere bei Tageszeitungen. Soweit sie auf Mikrofilm gespeichert sind, kann eine Suche schon optisch ermüdend werden, wenn man sich durch unendlich viele Filmrollen durchkämpfen muss.

Generell sollte man dies im Hinterkopf haben:

Informationen in Wochen- oder Monatsblättern sind in der Regel zuverlässiger als solche in gedruckten Tageszeitungen. Denn der Umstand, dass "nichts so alt ist wie die Tageszeitung von gestern" hat zur Folge, dass viele, über die unzutreffend oder gar falsch berichtet wird, sich deswegen nicht zur Wehr setzen. Sie würden damit nur noch mehr Aufmerksamkeit auf sich lenken. Das weiß man aus dem “Barbra Sreisand-Effekt”.

Im Übrigen ist das öffentliche Gedächtnis bei vielen tagesaktuellen Nachrichten schnell vergesslich, weil am nächsten Tag bereits die nächste Informationsflut über die Leser oder User hereinbricht. Allerdings verhält es sich bei den Onlineausgaben anders. Da können die Redaktionen schnell nachbessern, wenn nötig.

Überhaupt sollte man sich angewöhnen, aktuell abgespeicherte Artikel, auf deren Informationen man zurückgreifen möchte, zum Zeitpunkt der Verwendung sicherheitshalber nochmals aufzurufen. Inzwischen könnten nämlich Korrekturen, Gegendarstellungen oder Unterlassungserklärungen erfolgt sein.

Datenbank GENIOS

Es ist deutschlandweit die größte soweit es die hier im Fokus stehenden Informationen anbelangt. Sie wird gemeinsam vom Handelsblatt-Verlag und der FAZ gemanagt: www.genios.com.

Bei GENIOS sind etwa 2.000 ‘kleinere’ Datenbanken zusammengefasst. Und ist deswegen kostenpflichtig. Manche Bibliotheken, insbesondere Universitätsbibliotheken bieten - zumindest für einen Teil der Wissensbestände - kostenlose Zugänge an. 

Dies sind die großen Abteilungen bei GENIOS: 

  • Firmen, über die man Infos nach a) Beteiligungen, b) Bonitätsauskünfte, c) Dossiers, d) Profile, e) Pressemitteilungen sowie f) Handelsregister und Jahresabschlüsse abrufen kann,
  • Personen: Managerprofile, Biografien, Pressemitteilungen
  • Presse (fast alle Tageszeitungen ! sowie die Sparten Fachpresse und Publikumspresse (von art über Brigitte und stern bis hin zur SUPERillu)  

Außerdem bietet GENIOS den Zugang zu den Archiven der Wirtschaftsauskunfteien Dun & Bradstreet, Creditreform und CRIF (vormals Crif Bürgel). Auf diese Spezies kommen wir später zu sprechen.

Insgesamt eine unendliche Fundgrube. Fragen Sie nach einem kostenlosen Testzugang, wenn Sie in der Bibliothek nicht weiterkommen.

LexisNexis

Diese US-amerikanische Datenbank www.lexisnexis.com, die längst auch andere Kontinente mit einbezogen hat, funktioniert ähnlich wie GENIOS, hat aber andere Schwerpunkte. Ausgewertet werden nach eigenen Angaben über 100.000 Quellen, darunter an die 50.000 wissenschaftliche Fachzeitschriften. Deswegen bietet das Unternehmen auch “akademische Recherchen” an.

Außerdem Marktbeobachtung, Risk Management und ähnliche die Business-Welt interessierende Dienste. Beispielsweise Medienbeobachtung, Marketing in Kooperation mit Influencern, Geschäftspartnerprüfungen u.ä.

Die Informationsbestände in Sachen Wirtschaft und Medien stellen das größte Angebot dar (75%). Alles andere betrifft Recht und Justiz. Mittels eines KI-gestützten “CourtLink” beispielsweise kann man nach Gerichtsakten in den USA (nur dort!) suchen und den Verlauf von Verfahren beobachten lassen. Dort sind im Gegensatz zu Deutschland Verfahrensakten öffentlich zugänglich, siehe unter www.ansTageslicht.de/Datenbanken.

LexisNexis bietet einen zweitägigen kostenlosen Testzugang an.

NorthData

Diese Institution ist nicht so datenmächtig wie die beiden vorgenannten. Sie ist auf Europa fokussiert. Und sie hat ein Herz für investigative Journalisten!

Deswegen sollten Sie sich umgehend ein kostenloses “Investigativkonto” zulegen, um alle Premiumdienste nutzen zu können! Ein solchen nutzen fast alle großen Medienhäuser, von BBC über Correctiv bis hin zur ZEIT. bzw. an die 2.800 Journalisten weltweit. Das Unternehmen unterstützt im Übrigen auch netzwerk-recherche, ICIJ und andere Medien-NGO's.

Dieser Dienst ist auch deswegen von Bedeutung, weil bei den öffentlichen Handelsregisterzugängen und anderen staatlich administrierten Portalen in gewisser Regelmäßigkeit die Dienste versagen. Entweder sind es technische Pannen, die, wenn es an einem Freitag passiert, übers Wochenende natürlich nicht beseitigt werden. Ein anderes Mal ist es pure Überlastung. Oder es funktioniert aus anderen Gründen nicht, etwa weil man “zu viele Anfragen gesendet” hat und dann auf den nächsten Tag vertröstet wird.

Ein privatwirtschaftlicher Dienstleister kann sich so etwas nicht leisten. Deswegen ist eine Abfrage bei NortData immer eine immerwährend funktionierende Option. 

Das Angebot ist vielfältig: Daten aus allen relevanten Registern sind da zusammengetragen: Handels-, Vereins-, Genossenschaftsregister u.a.m. NorthData stellt solche Informationen auch grafisch dar, so dass man einen schnellen Überblick bekommen kann, wer da mit wem zusammenhängt. 

Beispiel:

Unter www.ansTageslicht.de/ATOS haben wir beschrieben, wie man vorgehen kann, wenn man einen verschachtelten Firmenverbund auftröseln will. In diesem Fall den Klinik- und MVZ-Konzern ATOS. Der wird - von ganz oben herab - von einem international aufgestellten “Investment Fund” orchestriert, bei dem einige wenige Personen den Ton angeben. Die Eingabe beispielsweise von “ICG Europe Fund VIII” spuckt nicht nur hilfreiche Informationen aus, sondern auch eine Grafik: 

Beispiel: Grafik von NorthData - CC BY 4.0

 

Die persönlichen Zusammenhänge sind zwar nicht ganz exakt beschrieben, aber es ist ein erster Überblick, an dem man sich orientieren und dann im Detail weiter recherchieren kann.

Überdies: Man kann sich ganze Dossiers zusammenstellen lassen. Und es gibt die Option, dass man über relevante Änderungen via push informiert wird.

Einen NorthData-"investigativ"-Zugang sollte man als Journalist wirklich haben. 

OpenCorporates

Diese Datenbank bezeichnet sich als die größte weltweit, die einen offenen, sprich kostenlosen Zugang für Journalisten, NGO's und andere nichtkommerzielle Institutionen unterhält. Man muss dafür ein Konto anlegen!

Das gemeinnützige Projekt https://opencorporates.com, das Unternehmensinformationen und darin involvierte Personen “zum Wohle der Gesellschaft” zugänglicher machen will, finanziert sich über Firmen und kommerzielle Nutzer, die nicht in die kostenfreie Kategorie fallen. 

Aber wie es so ist: Ab und an hat die eine Datenbank etwas, was der anderen fehlt, und umgekehrt. Sie sollten daher, um auf Nummer sicher zu gehen, wenn die staatlich administrierten Handelsregister gerade mal wieder versagen, alle alternativen Optionen checken.

Beispiel:

Wir nehmen das Beispiel “ATOS Gruppe” wie schon unter dem Anbieterdienst NorthData angesprochen. Die Suche findet hier den Firmennamen und die dazugehörigen Handelsregisternummern sowie die Geschäftsadresse in München. Die angeführten Gesellschafter(firmen) sind antik. Ruft man die in Luxembourg domizilierenden Hintergrundunternehmen wie z.B. Aragon BidCo auf, so tauchen zwei gleichnamige GmbH's in Deutschland auf, aber ohne Nennungen der Gesellschafter, so dass man nicht erfahren kann, ob sie Bestandteil der ATOS-Gruppe sind. Die vollständige Bezeichnung “Aragon BiCo S.a.r.l.” ergibt keinen Treffer mehr ebensowenig der dahinter stehende “ICG Europe Fund VIII”.

Wie auch immer: Mit NorthData und OpenCorporates verfügen Sie über zwei kostenfreie Informationsmöglichkeiten, die Sie am besten immer zusammen, sprich parallel nutzen sollten. Insobesondere wenn Sie Informationen über Unternehmen, Konzerne etc aus dem Ausland benötigen, wo sie nicht so schnell an die Handelsregister- bzw. Business-Informationen gelangen.

Die Offshore-Leaks - Datenbank von ICIJ:

Je nachdem, über wen oder was Sie recherchieren und in welchem Metier sich das abspielt: Probieren Sie immer auch diese Datenbank https://offshoreleaks.icij.org. Sie ist 2013 entstanden im Zusammenhang mit den weltweiten Recherchen zunächst über “Offshore Leaks”, dann Lux-Leaks, gefolgt von Swiss-Leaks, später dann den Panama Papers und schließlich den Paradise Papers. Aus diesen Kooperationen heraus hat sich dann auch das International Consortium of Investigative Journalists - ICIJ etabliert. Wir haben diese Entwicklung, wei durch die ständigen Enthüllungen das Schweizer Bankgeheimnis aufgeweicht wurde, rekonstruiert unter www.ansTageslicht.de/Bankgeheimnis.

Setzen Sie auf Kommissar Zufall. Der hat nicht immer Glück. Aber solange Sie es nicht probieren, kann er Ihnen auch nicht helfen. 

Im Fall des bereits erwähnten Klinik- und MVZ-Konzerns “ATOS” haben Sie kein Glück, ebensowenig bei den dahinter stehenden Unternehmen. Aber das weiß man erst, wenn man es ausprobiert hat.

Die OCCRP - Datenbank

Das Organized Crime and Corruption Reporting Project sammelt ebenfalls Daten. Nicht nur über Unternehmen, Institutionen etc, sondern auch über Umwelt, Geldwäsche, Korruption, Menschenhandel u.a.m. und ist 2006 in Rumänien entstanden. Inzwischen repräsentiert es ein weltweites Netzwerk von Journalisten aus unterschiedlichen Ländern, aber mit einem besonderen Fokus auf die Balkanländer, die Ukraine und Russland, Naher Osten und Lateinamerika.

Die Datenbank ist nach Ländern aufgebaut: https://id.occrp.org/databases/.

Auskunfteien - Wirtschaftsauskunfteien

Modell Schufa:

Ähnlich wie die weitaus bekanntere Schufa (Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung; www.schufa.de) stellen auch so genannte Auskunfteien, manchmal auch als Handels- oder Wirtschaftsauskunfteien bezeichnet, eine Art Schutzvorrichtung der freien Wirtschaft dar. Die Schufa, die im Besitz u.a. von großen Kreditinstituten ist, speichert vorwiegend über kleine, sprich normale Klein-Kreditnehmer, Informationen über in Anspruch genommene Kredite und/oder Teilzahlungskäufe usw. sowie über die dabei gewährten Konditionen und insbesondere auch über die vorgesehene Laufzeit solcher Kreditgeschäfte. Inzwischen zählen auch die Informationen aus Handyverträgen mit Telekommunikationsdienstleistern u. ä. zum Datenbestand.

Solche Daten sollen dazu dienen, den angeschlossenen Kunden bzw. Mitgliedern Informationen über vorhandene Kreditverpflichtungen sowie über die Kreditwürdigkeit von Menschen zu verschaffen. Entsprechend können auch nur Banken und Verkaufsorganisationen, die Geschäfte auf Kreditbasis tätigen, dort Informationen einspeisen und aufrufen. Bundesweit sind inzwischen fast alle Bürger bei der Schufa registriert. Allerdings kann jeder, der gespeichert ist, kostenlos Einsicht in seine eigene ›Akte‹ nehmen. Und gegebenenfalls auf Korrekturen dringen, wenn gespeicherte Daten nicht (mehr) stimmen oder veraltet sind. Dies kommt, wie Verbraucherschützer wissen, recht häufig vor.

Modell (Wirtschafts)Auskunftei

Auskunfteien arbeiten ähnlich wie die Schufa, allerdings mit einem breiteren Informationsangebot und im Prinzip für alle, die etwas über andere wissen wollen. Es ist ein Dienst vor allem für Firmen, die sich a) auf die Schnelle und b) ohne große Garantie für die Qualität der Auskünfte einfach über einige relevante Grunddaten informieren wollen. Da solche Auskünfte vergleichsweise billig sind und schnell erteilt werden, kann man auch nicht allzu hohe Ansprüche an die Zuverlässigkeit solcher Informationen stellen. Dies wissen die meisten Firmen, die solche Dienstleistungen nutzen. Und dies sollten auch Journalisten wissen, wenn sie auf solche Informationen zurückgreifen wollen.

Generell vermitteln Auskunfteien folgende Wirtschaftsinformationen:

  • Bei einzelnen (natürlichen) Personen: Geburtsdaten, Informationen zur beruflichen oder geschäftlichen Tätigkeit, Angaben über die finanziellen Verhältnisse;
  • Bei Firmen: Name und Anschriften eines Unternehmens (Filialen), relevante Angaben aus dem Handelsregister (einschließlich über die genauen Kapitalverhältnisse), Informationen über die Geschäftstätigkeit (Branche, Anzahl der Mitarbeiter, Schätzungen zur Umsatzhöhe) sowie Informationen über die finanzielle Situation eines Unternehmens.

Man muss bei all dem immer wissen: Angaben erfolgen nur, sofern und soweit solche vorliegen und/oder in Erfahrung gebracht werden können. Daten aus dem Handelsregister sind einfach zu beschaffen. Aber nicht jede Firma ist dort eingetragen. Insbesondere kleinere Unternehmen nicht, wenn sie etwa als BGB-Gesellschaft geführt werden oder als Handwerksbetrieb.

In solchen Fällen ist die Informationslage über die genaue Geschäftstätigkeit sowie Beschäftigtenanzahl und Umsatzhöhe schon schwieriger, und so gelangen solche Daten in der Regel über so genannte Selbstauskünfte in die Akten. Bzw. in das elektronische Archiv. Konkret: Die Auskunfteiangestellten rufen bei den Firmen (oder auch Personen), über die sie Auskunft erteilen sollen, selbst an und stellen Fragen – allerdings ohne den Auftragnehmer zu  benennen, weil der in der Regel unerkannt bleiben möchte. In der Geschäftswelt ist dies eingefahrene Routine und funktioniert ganz gut – mit den Einschränkungen, die bereits beschrieben wurden. Solche Daten sind aus diesem Grund weiche Informationen.

Bestimmte Informationen jedoch sind über Auskunfteien mit einer vergleichsweise hohen Zuverlässigkeitsrate zu erfahren: Informationen negativer Art über Personen und/oder Firmen:

Auskunfteien unterhalten Archive und sammeln alles über lange Zeit. Wenn ein GmbH-Geschäftsführer vor mehreren Jahren einen sauberen Konkurs hingelegt oder als zahlungsunfähiger Schuldner eine Eidesstattliche Versicherung nach § 807 ZPO (vormals: “Offenbarungseid”) geleistet hat, so müssen solche Informationen in den öffentlichen Registern nach Ablauf bestimmter Fristen (3 Jahre) wieder getilgt werden. Auskunfteien machen dies nicht immer. Insofern können sie als ‘historische’ Informationsgeber nützlich sein.

Allerdings sollte man bei entsprechenden Anfragen das eigene Informationsinteresse, wenn es in diese Richtung gehen sollte, unmissverständlich signalisieren, denn natürlich sind auch die Auskunfteien (eigentlich) gehalten, unter dem Aspekt des Datenschutzes solche ›alten‹ Informationen nicht weiterzugeben (bzw. nicht mehr zu archivieren). Trotzdem kann das vorkommen, und hier liegen auch die journalistischen Ansatzpunkte: bei den Archivinformationen generell und den diversen Querverweisen im Archiv bzw. Computer (Beispiele: Personenname mit Hinweis auf Geschäftsführertätigkeit in Firma XY in einer ganz anderen Stadt; Auskunft über eine Firma mit der ergänzenden Information, dass diese eine Tochterfirma namens Z im Ausland hat, was dem örtlichen Handelsregister nicht zu entnehmen ist; GmbH-Gesellschafter, der früher schon zwei Mal “Konkurs gemacht” hat, was offiziell niemand mehr wissen darf).

Zu den Negativinformationen zählen vor allem Informationen aus dem Insolvenzverzeichnis sowie dem Schuldnerverzeichnis nach § 915 ZPO. Ebenso haben Auskunfteien Kenntnis von so genannten Wechselprotesten (geplatzte Wechsel, wenn sie bei der Deutschen Bundesbank eingelöst werden). Und eigentlich sollten Auskunfteien Informationen über die so genannte Zahlungsweise haben. Damit sind Erfahrungen gemeint, wie schnell bzw. pünktlich und wie zuverlässig Firmen oder Personen ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen. Auskunfteien können dies deshalb wissen, weil alle ihre Kunden, die sich über andere informieren (z.B. völlig neue Geschäftsverbindung), gehalten sind, ihre eigenen Erfahrungen im Umgang mit eben den Angefragten der Auskunftei später bekannt zu geben. Dies geschieht jedoch nicht immer. Obwohl genau dies für die anfragenden Firmen meist am interessantesten ist: Vorab zu erfahren, ob man bei einer neuen Geschäftsaufnahme auf der Basis eines normalen Lieferantenkredites liefern kann oder man dies besser gegen Vorkasse machen sollte.

Zusammengefasst 

bieten Auskünfte bei Handels- und Wirtschaftsauskunfteien folgende Vorteile:

  • Vieles an Informationen bereits auf dem ersten Blick. Darunter befinden sich weiche und harte Informationen. Alle weichen muss man in jedem Fall verifizieren, von den harten können die negativen Informationen von großem Wert sein, die man aber besser ebenfalls gegencheckt.
  • Schnelle Verfügbarkeit der Daten und somit Möglichkeit einer schnellen eigenen Überprüfung.
  • Viele Informationen aus öffentlichen und halböffentlichen Registern sowie Hinweise aus eigenen internen Querverweisen, die so sonst nicht (mehr) zur Verfügung stünden.

Zugang zu solchen Informationen

Empfehlenswert ist es, bei der Auftragsvergabe an eine Auskunftei nicht als Journalist aufzutreten, sondern solche Geschäfte bzw. Anfragen über eine neutrale Stelle laufen zu lassen – auf journalistische Wissensbegierden reagiert diese Branche verschnupft und eher zugeknöpft. In Medienunternehmen kann die kaufmännische Abteilung solche Jobs übernehmen; Freie sollten sich eine unverdächtige Vertrauensperson oder eine befreundete Firma suchen, die man vorschalten kann.

Und noch etwas sollte man wissen: Solche Auskünfte sind vergleichsweise billig. Firmen kaufen derlei Informationen meist gleich im Abonnement oder in größeren Mengen auf Vorrat (Gutscheinprizip). Die Kosten für eine normale “Auskunft” gibt es ab 30 Euro. Für solches Geld kann man nicht wirklich in die Tiefe gehende Auskünfte bzw. aktuelle Informationen erwarten. Die Auskunfteien leben v.a. von der Mehrfachverwertung solcher Einzelauskünfte und aktualisieren die Informationen nur ab und an. Mit anderen Worten: Der Aktualitätsgehalt von harten Infomrationen muss nicht immer dem (aller)neuesten Stand entsprechen. Darauf sollte man sich einstellen und derlei Informationen als Ausgangsbasis für weitergehende Recherchen nutzen.

3 relevante Anbieter

Die weltweit größte Auskunftei heißt Dun & Bradstreet: www.dnb.com/de-de. Sie ist in allen wirtschaftlich potenten Ländern vertreten.

In Deutschland am bekanntesten ist der Verein Creditreform: www.creditreform.de.

Vormals unter dem Namen “Auskunftei Bürgel” bzw. “Bürgel Wirtschaftsinformationen” bekannt firmiert diese nunmehr unter der Bezeichnung “CRIF”: www.crif.de.

Wie gesagt bzw. geschrieben: Auch das Anzapfen solcher Informationsanbieter kann im Einzelfall Sinn machen. Die Darstellung dieser Quellen ist deshalb länger geworden, weil die wenigsten darum wissen.

Medienunternehmen: die Mediendatenbank der KEK

KEK steht für “Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich”. Sie gibt es seit 1997. Ihre Aufgabe: den Überblick über Konzentrationsvorgänge im Auge zu behalten. Und um letztlich darauf zu achten, dass in Deutschland ausreichend Medienvielfalt erhalten bleibt.

Von Interesse hier ist die Mediendatenbank: https://www.kek-online.de/mediendatenbank/#/, in der alle Namen, Verlage und Unternehmen gespeichert sind, egal ob Zeitungen, Zeitschriften, Werbeblätter, Hörfunk und Fernsehen oder Online. 

Beispiel “Funke Mediengruppe”:

“Mediengruppe” liest sich verniedlichend, de facto handelt es sich um einen medial breit aufgestellten und regional flächendeckenden Medienkonzern. Neben all den registrierten Informationen zu den Inhaber- und Beteiligungsverhältnissen bietet die KEK auch grafische Darstellungen an. Hier ein (kleiner) Ausschnitt aus dem verzweigten Medienkonglomerat:

KEK-Mediendatenbank: Ausschnitt aus der Verflechtungsstruktur der Funke Mediengruppe, Stand 2026

 

Weitere Informationen haben die landesweiten Medienanstalten. Im Bereich der Tagespresse forscht vor allem der  FORMATT-Gründer und Medienkonzentrationsforscher Horst RÖPER in Dortmund. Von ihm wissen wir, das 60% aller Tageszeitungen in Deutschland von den 10 größten Verlagen herausgegeben werden.