Klinik- und MVZ-Konzern "ATOS"

Hinweis:

Diese Site mit allen anderen dazugehörigen Kapiteln lässt sich direkt aufrufen und verlinken unter www.ansTageslicht.de/Handelsregister, der vorliegende Text unter www.ansTageslicht.de/ATOS. Er stellt einen Schulungstext dar, wie man am besten vorgeht, wenn man ein verschachteltes Unternehmen auftröseln möchte. In diesem Fall eine Fachklinik, die zu einer größeren Firmenkette gehört, zu der auch MVZ's (Medizinische Versorgungszentren) zählen. Die diversen medizinischen Einrichtungen firmieren in Deutschland unter “ATOS”.

Insgesamt ist alles Bestandteil des Themenschwerpunkts “Investigativer Journalismus” auf ansTageslicht.de: www.ansTageslicht.de/investigativ.


Beginn der Recherche im Hamburger Handelsregister

Ausgangspunkt der Recherchen, wem die “ATOS”-Gruppe eigentlich gehört, und wie man die vorrangigen Interessen dieses Medizinischen Versorgungszentren-Konzerns einschätzen kann, sind die ersten Ergebnisse, die wir unter AD-CD-HD etc im Handelsregister ausfindig haben machen können: 

Die feine Hamburger Privatklinik, die auf der Fleetinsel im Hotel Steigenberger in der Admiralstrasse domiziliert, stellt juristisch gesehen eine GmbH & Co:KD dar. Die vollständige Firmenbezeichnung lautet

ATOS Klinik Fleetinsel GmbH & Co.KG.

Aus den diversen Dokumenten (AD, CD) etc ergibt sich, dass

  • als phG (persönliche haftende Gesellschafterin) die Fa. Fleetinsel Verwaltungs GmbH mit einem Stammkapital von 25.000 Euro und Sitz in München auftritt.
  • Als Kommanditistin: die Fa. Fleetinsel Holding GmbH mit einer Kommandtiteinlage in Höhe von 1.431.617.- Euro. Diese ungerade Summe hängt mit den Verkäufen der früheren Kommanditisten zusammen, wie sich aus den Informationen aus “CD” und “HD” ablesen lässt. 2017 ist die damalige Klinik an den MVZ-Konzern verkauft worden.

Wenn man jetzt einen solchen Konzern ‘auftröseln’ möchte, empfehlen wir,

  • nicht nur alle Informationen aus den Handelsregisterbeständen zu sammeln und sofort übersichtlich zu archivieren, 
  • sondern die Erkenntnisse auch grafisch festzuhalten. Damit hat man später den Aufbau besser im Überblick.

Da man nie weiß, wie verschachtelt sich ein solcher Konzern letztlich darstellt, empfehlen wir am besten ein DIN A 3-Papier zu nehmen und oben anzufangen. Denn (nur) was ganz oben steht, ist für alle anderen sichtbar. Der Unterbau agiert im Stillen und so wollen es viele große Unternehmensgruppen auch halten.

Arbeiten Sie mit Abkürzungen, damit es nachher etwas übersichtlicher bleibt. Kompliziert wird es noch genug.

Als Abkürzungen würden wir vorschlagen: phG = persönl. haft. Ges.; Komm = Kommanditist; K = Kapital (Stammkapital oder Kommanditkapital); GF = Geschäftsführer; als Sitz für die jeweiligen Firmen die jeweiliige Autokennzeichen-Standort-Abkürzung, also HH für Hamburg, M für München.

Und: Arbeiten Sie mit Bleistift. Dann können Sie radieren, falls es notwendig werden sollte. Und das wird es fast immer, wenn man komplizierte Verschachtelungen outen möchte.

So könnte die erste grafische Darstellung aussehen:

Recherchen im Handelsregister München

Dort erfahren wir

1) über die Fa. Klinik Fleetinsel Verwaltungs GmbH, die als phG in Hamburg fungiert, dass 

a) Gesellschafterin des Stammkapitals (25.000 €) die Fa. Fleetinsel Holding GmbH in München ist, und

b) die Geschäftführer Alexander ZAUTER, M; Christa HOFFMANN, Frankenthal sowie Martin HUMMEL EDLER von HASSENFELS in München heißen. 

2) Dass eben diese Fa. Fleetinsel Holding GmbH gleichzeitig als Kommanditistin in HH fungiert (hier mit Strichellinie gekennzeichnet).

3) Gesellschafterin dieser Fleetinsel Holding ist die Fa.

ATOS Gruppe GmbH & Co.KG, ebenfalls mit Sitz in München.

Somit können wir unsere Grafik um diese Infos erweitern:


Geschäftsführer der Fleetinsel Holding sind übrigens 1) “Martin von HUMMEL” wie er sich in der Gesellschafterliste hat eintragen lassen (offiziell: Martin HUMMEL EDLER von HASSENFELS) sowie 2) Dr. Marc BREITFELD.

Weil die Fa.

ATOS Gruppe GmbH & Co.KG 

wiederum eine Kombination aus Personengesellschaft (KG) plus Kapitalgesellschaft (GmbH) ist, muss man nachschauen, wer welche Funktionen dort übernimmt.

Das Münchner Handelsregister besagt, dass

1) phG eine Fa. Namen ATOS Management GmbH ist und dass

2) als Kommanditistin eine Fa aus Luxembourg agiert: “Aragon Bidco S.a.r.l” mit eine Einlage in Höhe von (sage und schreibe ganzen) 500 Euro.

Weiter stellt sich heraus, dass alleinige Gesellschafterin der ATOS Management GmbH ebenfalls die “Aragon Bidco” in Luxembourg ist.

Jetzt sind wir in Luxembourg gelandet - ein EU-Land, das sich bekanntermaßen durch (sehr) niedrige Steuersätze auszeichnet. Und in vielen Fällen Heimat von Briefkastenfirmen ist.

Unsere bisherige Grafik jetzt ergänzt:


Die Schlüsselfunktion der Hamburger ATOS Klinik Fleetinsel GmbH & Co.KG hat also - nach jetztigem Stand der Erkenntnisse - eine Luxemburger Firma namens “Aragon” inne. Genau gesagt: “Aragon Bidco”.

Dort gehen jetzt die Recherchen weiter. Und da wir in Europa sind, können wir dies entweder über eine zentrale EU-Plattform machen (https://e-justice.europa.eu), siehe dazu das Kapitel Handelsregister EU, oder uns direkt ins Luxembourger Handelsregister begeben, online natürlich.

Luxembourg

Eine Adresse der Aragon lässt sich schnell ausfindig machen. Entweder mit Google oder über die Handelsregister:

6 H, Route de Trèves, 2633 Sennigerberg in Luxembourg.

Google weiß außerdem zu berichten, das es sich dabei um eine am 10. August 2021 gegründete “Finanzholding-Gesellschaft (Soparfi)” handelt. “Soparfi” steht für “Societès de participation financiére”.

Und ohne dass wir das dortige Handelsregister bemühen müssen, listet Google einen Link an, der uns direkt zu den letzten Jahresabschlüssen der Aragon führt. Einfacher geht's nicht. Allerdings: Schaut man sich die Gewinn- und Verlustrechung ("Profit and Loss Account") an (hier vorsichtshalber als PDF hinterlegt), so fällt auf, dass relevante Zahlen fehlen. So gibt es beispielsweise keine Angabe zum Umsatz ("Net Turnover"), aber zu den Materialausgaben. Und keine Angaben zu “Staff Costs”. Eine Briefkastenfirma?

Nur ein Verlust wird für 2025 ausgewiesen (Seite 7 im PDF): 15.709.091,00 Euro. Und zwei Managernamen tauchen auf (S. 8). Aber all dies kann den Luxembourger “Standortvorteilen” für Konzerne geschuldet sein.

Die Geschäftsadresse

Google Maps macht Recherchieren in vielen Fällen leichter. Ohne dort die fragliche Geschäftsadresse höchstselbst in Augenschein nehmen zu müssen, vermittelt der Google-Dienst einen ersten Eindruck von der Lokalität:

6 h, Rte de Teves in 2633 Sennigerberg/Luxembourg. Anklicken öffnet Google Maps.

 

Schaut man sich auch die Umgebung an, geht es kaum praktischer: Geschäftsräume unmittelbar am Luxembourger Flughafen. Leider kann uns GoogleMaps keinen Blick ins Erdgeschoss bzw. die Empfangshalle ermöglichen, also da, wo üblicherweise die Briefkästen hängen.

Informationen aus dem "Business-Register"

Aragon Bidco:

Wie man effektiv dort weiter recherchiert, in diesem Fall im “Luxembourg Business Registers”, haben wir beschrieben im vorigen Kapitel Handelsregister EU-weit, dort im Abschnitt Fallbeispiel Klinik Fleetinsel (Hamburg) - ATOS-Gruppe (München) - Aragon (Luxembourg).

Nachdem die Formalitäten der Onlineabfrage erledigt sind (Einsichtnahme als “anonymer Benutzer” > Kontrollcheck, ob man ein “Mensch” ist, und Akzeptieren der Geschäftsbedingungen), landet man in der Rubrik “Einsichtnahme”, in der sich die Liste aller “Einreichungen” befindet:


Dort interessiert als erstes, wer das Kapital der Firma “Aragon Bidco” hält. Das angebotene PDF über das “Kapital der Gesellschaft, Teilhaber” gibt Auskunft:

“Aragon Midco S.a.r.l.”

Wie es weitergehen muss, ist klar.

Doch vor den nächsten Schritten empfehlen wir alles downzuloaden, was - potenziell - noch interessant sein könnte. Z.B. der letzte Jahresabschluss. Darin wird z.B. die Bilanzssumme der Firma ausgewiesen: 145 Millionen für 2025. Die Gewinn- und Verlustrechnung indes verrät nichts über den Umsatz (Net Turnover). Es gibt nur eine Zahl zu den Materialaufwendungen, aber nicht zu Personalkosten: knapp 275 Millionen. Sollte die Aragon Bidco Gewinn machen, muss der “Net Turnover” also größer sein. Aber das ist ein anderer Aspekt.

Jetzt interessiert, wer oder was sich hinter der Aragon Midco verbirgt.

Aragon Midco

Um es ein wenig abzukürzen, weil die gleichen Schritte notwendig werden: Eigentümer bzw. Gesellschafter dieser Firma sind im Jahr 2026 diese drei Firmen

  • Aragon Investment S.a.r.l., Luxembourg
  • Aragon MEP GmbH & Co.KG in München
  • Arago MEP II GmbH & Co.KG, ebenfalls München,

wobei die beiden letzten an der selben Adresse firmieren wir die ATOS-Gruppe in München, und die Aragon Investment dort, wo “Bidco” und “Midco” ihre Adresse haben.

Um den Überblick nicht zu verlieren, bietet es sich an, die bisherigen Ergebnisse wiederum auch grafisch festzuhalten. Die Abbildung schließt an die vorige an, in der die “Aragon Bidco” 

  • einerseits alleinige Gesellschafterin der ATOS Management GmbH ist, die wiederum als phG der ATOS Gruppe GmbH & Co.KG fungiert, also indirekt beteiligt ist,
  • andererseits direkt als Kommanditistin in der ATOS Gruppe Geldgeberin ist: mit 500 Euro Kommanditeinlage:

Anteilseigner 1: Aragon Investment Luxembourg

Alleinige Gesellschafter bzw. Eigner ist hier ein Fonds: 

ICG Europe Fund VIII Investment S.a.r.l.

Und jetzt wird es wieder komplizierter:

  • Aus der Nummerierung “VIII” lässt sich schließen, dass es - mindestens - auch die Nummern I bis VII geben muss.
  • Ruft man jetzt im Luxembourger Business Register den Fondsnamen auf, so werden diese Firman angeboten:

 

Jetzt muss man aufpassen, um nichts zu verwechseln.

Unser Interesse - derzeit - liegt auf der Nummer “VIII Investment” und zwar in der Rechtsform “S.a.r.l.”. Deswegen jetzt auf die Registernummern achten. Hier “B 252488”.

Alle anderen “ICG Europe Fund”-Firmen bleiben - erst mal - außen vor. Aber es wird schon deutlich: Es gibt viele, die mit der Kennzeichnung “ICG” beginnen.

Der Aufruf der Dokumente bringt dies zum Vorschein:

Eigentümer bzw. alleiniger Anteilseigner ist ein weiteres Anlegerunternehmen:

“ICG Europe Fund VIII SF (No.1) SCSp”.

Die Rechtsform “SCSp” steht für “Societé en commandite simple” und entspricht - im Wesentlichen - der deutschen Kommanditgesellschaft, allerdings mit luxembourgischen Besonderheiten, die hier - zunächst aber nur - icht so wichtig sind.

Das Unternehmen “VIII Investment” ist finanziell eine Art Anlegerfonds und ein Schwergewicht: Knapp 7,6 Milliarden Euro sind in verschiedene Unternehmungen investiert. Davon 7,1 Milliarden fest ("Fixed Assets") plus 450 Millionen als Kredite ("Current Assets"). Dies ergibt sich aus dem Jahresabschluss 2025

Auf den Seiten S. 13 bis 16 sind die Beteiligungen ("Fixed Assest") namentlich gelistet. Die “Aragon Investment” ist nur eine von vielen anderen Beteiligungen. Da könnte man jetzt unendlich weiter recherchieren, aber wir konzentrieren uns auf die ATOS Gruppe, zu der die Hamburger Fleetinsel-Klinik gehört. 

Jedenfalls ergibt sich der Eindruck, dass es hier um gigantische Kapitalsummen geht, die auf der Suche nach lukrativer Anlage sind: Renditen sind gefragt. Man spricht auch von einem “Strategischen Fonds”, an dem vorrangig Großinvestoren beteiligt sind: ab 250.000 Euro aufwärts. Aber das ist ein anderes Thema.

Anteilseigner 2: Aragon MEP GmbH & Co.KG

Die inzwischen eingeübte Suche im Münchner Handelsregister ergibt dies:

  • phG ist eine Firma namens Aragon GP GmbH mit einem Stammkapital von 25.000 Euro
  • Kommandisten sind:
  • a) die inzwischen bekannte Aragon Investment aus Luxembourg mit 360.- Euro
  • b) 5 Firmen mit je einer Einlage in Höhe von 5 (in Worten: 5 !) Euro sowie
  • c) 39 natürliche Personen mit jeweils 5 bis 10 Euro Einlage.

Die Namen der Firmen und Personen lassen sich dem AD-Ausdruck entnehmen.

Die Anteile der persönlich haftenden Gesellschafterin (phG) Aragon GP GmbH werden vollständig von der Aragon Investment gehalten. Als Geschäftsführer fungieren wiederum die bekannten Namen Martin HUMMEL Edler von Hassenfels aus München, Christa HOFFMANN aus Frankenthal sowie Alexander ZAUTER aus München.

Sowohl die Aragon GP als auch die Aragon Investment tauchen gleich wieder auf auch in der dritten Anteilseignerin der Aragon Midco in Luxembourg:

Anteilseigner 3: Aragon MEP II GmbH & Co.KG

Nicht unerwartet tauchen auch hier auf als

  • phG: Aragon GmbH
  • Kommanditisten: a) Aragon Investment mit 440 Euro sowie b) 12 natürliche Personen mit jeweils 5 Euro

Hier haben wir den AD-Abdruck dokumentiert.

Damit können wir die Beteiligungsstruktur der ATOS-MVZ-Gruppe grafisch vervollständigen:

 

Wir haben die beiden relevanten Beteiligungsgrafiken hier als PDF zusammengefasst, um den Überblick zu ermöglichen.

Lässt man die diversen Zwischenstufen aus und konzentriert sich auf die maßgeblichen Einflussstränge, dann kann man die Beteiligungsstruktur der Hamburger Fleetinsel-Klinik, genauer gesagt, der ATOS Klinik Fleetinsel GmbH & Co.KG so grafisch komprimieren:

 

Halten wir also nochmals fest:

Unser eigentliches Ziel war, herauszufinden, wer genau hinter der Hamburger “ATOS Klinik Fleetinsel GmbH & Co.KG” steckt. Das wissen wir nun - ansatzweise: Eine größeres Anleger- bzw. Investment-Unternehmen, das sich

“ICG Europe Fund VIII SF (No.1) SCSp”

nennt. Die Nummerierung “VIII” lässt vermuten, dass es auch “I” bis “VII” geben wird. Und in der Tat: Gibt man die vollständige Namensbezeichnung bei Google ein und macht man aus der VIII eine VII, wirft die Suchmaschine entsprechende Treffer aus - so wie bei der “VIII”.

Recherchieren heißt nun immer auch: genau hinschauen. Es tauchen im Detail unterschiedliche Bezeichungen auf. Beispiele, die von Google-Aufruf zu Google-Aufruf variieren können:

  • ICG Europe Fund VII SF (No.1) SCSp
  • ICG Europe Fund VII EF (No.1) SCS
  • ICG Europe Fund VII GP LP SCSp
  • ICG Europe Fund VII Master SCA SICAV-RAIF
  • ICG Europe Fund VII CIP A SCSp

und andere mehr. Gleiches beim Europe Fund Nummero VIII, und wer I bis VI durchcheckt, wird ähnliches auch hier feststellen. Spaßeshalber können Sie auch mal die Nummer “IX” probieren. Und so weiter und so fort …

Spätestens hier sollte man sich diese Fragen stellen:

  • Wer steckt eigentlich hinter “ICG”?
  • Was sind die unternehmerischen Ziele?
  • Warum solche verschachtelten Beteiligungskonstruktionen? Was ist Sinn und Zweck dabei?
  • Sind dies effektive Organisationsmodelle? Und wenn ja, für wen? 
    Denn eigentlich geht es um Gesundheit. Bzw. Krankheit, deretwegen man sich in eine Klinik oder in ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) begibt.

Das versuchen wir - beispielhaft - in dieser Reihenfolge zu klären. Als Anleitung für Ihre eigenen Recherchen.

Die "ICG" - Gruppe und ihre diversen Investments ("Funds")

Gibt man “ICG” oder “ICG Gruppe” bei Google ein, so werden verschiedene Antworten serviert, die aus den Branchen Telekommunikation, Indoor Cycling, Kommunikationsinfrastruktur, “International Consulting Group” stammen. Aber auch www.icgam.com ist darunter. “ICG” steht hier für “Intermediate Capital Group”. Geschäftszweck in Kurzform laut ICG: “Flexible and responsible solutions for providers and users of capital". Übersetzt: Flexible und verantwortungsvolle Lösungen für Kapitalanleger ("Kaitalgeber") und Kapitalverwender. Anders und das im Branchenjargon formuliert: Es geht um “alternative” Anlageformen, wie das dann im Detail näher ausgeführt wird.

Mit “alternativ” ist dies gemeint: Anlagemodelle, die keinen staatlichen Regulierungen und/oder Aufsichtsbehörden unterliegen. Und bei denen die Kapitalgeber mehr oder weniger machen können, was sie wollen. Es ist ein bißchen ähnlich wie bei sogenannten Hedgefonds. Nur dass hier weniger spekuliert wird, sondern die Strategie heißt langfristiges Investment. 

Mit “126 bn $ AUM” ist die ICG-Gruppe eine der weltgrößten Investmentgiganten, vergleichbar mit Hedgefonds wie “Bridgewater Ass.”, der “Man Group” oder “BlackRock”. “bn” steht für die angelsächsische Maßeinheit “Billion”, die übersetzt in Deutschland “Milliarde” heißt. Mit “AUM” ist “Assets Under Management” gemeint, also die Größe der verwalteten bzw. angelegten Vermögens von (sehr reichen) Personen. Hätten die ihr Geld in Aktien investiert, so hätten sie in 25 Jahren ihre assets um 83% vermehrt - so nach den Ergebnissen des britischen Akteinindex FTSE. Anleger bei ICG hatten eine besseren Schnitt gemacht: “+ 503 %” - so laut Geschäftsbericht ("Annual Report") der ICG-Gruppe für 2025, dort auf S. 99. 

Von den 126 Milliarden “AUM” entfallen auf den ICG Europe Fund Nummero “VIII” rund 7,6 Milliarden. Die verschiedenen Detailbezeichnungen, insbesondere die Rechtsformen “Sarl”, SCSp, SCA, SICAV-RAIF" etc spielen hier keine Rolle. Sie dienen der Verschleierung, wobei die “SCSp” die wichtigste Rechtsfigur darstellt. Deren Vorteile: Gewinne der Beteiligungsfirmen werden direkt an die Eigentümer bzw. “Investoren” durchgeschleust, deren Identität nicht im Luxembourger Business-Register ausgewiesen werden muss. Und es gibt keinerlei Aufsicht oder sonstige gesetzlichen Auflagen, die Unternehmen können frei schalten und walten.

Nimmt man sich die diversen Funds und Investments einzeln vor - die Liste ist der Website entnommen und hier als PDF hinterlegt (Mai 2026) - , dann domizilieren praktisch alle an 1 Adresse: Jener, bei der auch die beiden “Aragons”, nämlich “Bidco” und “Midco” ihren Sitz haben. Unsere Vermutung beim ersten Blick auf diese Geschäftsadresse in unmittelbarer Nähe des Luxembourger Flughafens (siehe weiter oben) bestätigt sich: eine Ansammlung von Briefkästen.

Wenn man hier weiter recherchieren will, geht es schneller, wenn man auf Informationen beispielsweise des kommerziellen Informationsanbieters NorthData zurückgreift, der - wie im Kapitel Andere Informationsanbieter (NOCH NICHT ONLINE) beschrieben - ein Herz für investigative Journalisten hat, die sich dort ein kostenloses Premiumkonto einrichten können. 

Geschäftsgegenstand: die unternehmerischen Ziele

Will man die Unternehmensphilosophie, also auch den Geschäftszweck ergründen, so muss man das auf zwei Ebenen tun. Einmal auf der Ebene der Aktivitäten der Hamburger Klinik, dann aber auch beim unternehmerischen Unter- bzw. Überbau: Da wo das große Geld bewegt wird. Zwischen beiden Ebenen gibt es in der Regel unmittelbare Zusammenhänge. Die Frage lautet hier: Was dominiert? Die gesundheitliche Versorgung oder die Renditeerwartungen der Investoren?

Wenn sich ein milliardenschwerer Fund über diverse Zwischenstufen an einer Klinik beteiligt, so liegt die Vermutung nahe, dass es sich um einen größeren Firmen-Verbund handeln muss, der nicht nur aus den verschachtelten Unternehmen besteht. Und so lohnt ein testweiser Blick ins Unternehmensregister. Wie im dortigen Kapitel erklärt, gibt es Größenkriterien, die Unternehmen verpflichten, Bilanzen und Unternehmensberichte zu hinterlegen.

Die Eingabe “ATOS Gruppe GmbH & Co.KG” in der Suchmaske wirft entsprechende Firmennamen alle beginnend mit “ATOS” aus, und das auf 25 Seiten. Alphabetisch sortiert dann auch die gesuchte GmbH & Co.KG mit Sitz in München. Im Unternehmensregister abgelegt, sprich veröffentlicht: der jeweilige letzte Konzernabschluss. 

Jenem für das Geschäftsjahr 2024 sind diese Infos zu entnehmen:

  • Die fragliche GmbH & Co.KG agiert als Holding für 13 Fachkliniken und 8 MVZs (Medizinische Versorgungszentren) in Deutschland. Schwerpunktbereich: Orthopädie ud Chirurgie
  • Dort sind auch alle Standorte genannt. Und jene, die wegen ihrer “Unwirtschaftlichkeit” aufgegeben wurden.
  • Umsatzvolumen der Gruppe bzw. der Kliniken und MVZS: rund 196 Millionen Euro im Jahr 2024.

Und es gibt erste Hinweise auf das Geschäftsgebaren. Im Abschnitt “Steuerungssysteme” heißt es:

"Der Konzern setzt für die Steuerung und Überwachung der Patientenversorgung sowie für die Abwicklung von Verwaltungsprozessen Standard-Softwareprogramme ein. Das Management erhält Auswertungen über die wirtschaftliche Entwicklung der einzelnen Häuser und der Gruppe, aber auch differenzierte Analysen über die Erfüllung der medizinischen Vorgaben seitens der Kostenträger wie z. B. den gesetzlichen Qualitätsmessungen und regelmäßige Analysen klinikintern ermittelter Qualitätsindikatoren.

Zur strategischen Steuerung des Konzerns werden Kennzahlen täglich, wöchentlich oder monatlich ermittelt, u.a. Case Mix Index, Betten-/Saalauslastung, Verweildauer, mit der Planung abgeglichen und für ein Benchmarking zwischen den Kliniken herangezogen. Wochen- und Monatsberichte sowie die monatliche Berichterstattung der kaufmännischen Standortleiter sorgen für einen transparenten Überblick. Bei Abweichungen von den Konzernvorgaben kann auf diese Weise jederzeit zeitnah gegengesteuert werden. …"

“Gegensteuern” meint das, was man darunter vermutet. 

Anders gesagt: Es handelt sich bei diesen Kliniken und MVZs um sogenannte “investorengetriebene” Einrichtungen, wie Kritiker das nennen. Auch die NGO Transparency sieht das so: Im Zweifel dominieren die geschäftlichen Interessen die medizinischen Aspekte. Ein klarer Fall von Interessenskonflikten.

Wer sich in die medizinische Obhut einer solchen Institution begibt, sollte sich darüber im Klaren sein. Auch das kann man Lesern/Usern gut verklickern. Insofern sind derlei Recherchen von erheblicher Bedeutung. Allein die Darstellung solcher Fakten vermittelt darüber ein unmissverständliches Bild, ohne dass man sich zu im Zweifel presserechtlich potenziell angreifbaren Äußerungen hinreißen lassen muss (siehe zu letzterem Aspekt das Thema Beleidigung - üble Nachrede - Verleumdung auf dieser Plattform).

Follow the Money

Wer dem “Großen Geld” hinterher sein möchte, sollte sich über einige Zusammenhänge im Klaren sein:

  • Gewinnmaximierung und/oder Renditestreben sind die eine Sache. Verluste können ebenso von geschäftlichem Interesse sein, wenn man damit Gewinne an anderer Stelle reduzieren oder ausgleichen möchte.
    Viele kennen so etwas. Etwa, wenn gierige Vermietungsunternehmen leerstehende Wohnungen vergammeln lassen anstatt sie instand zu setzen. Die Mietausfälle reduzieren dann Gewinne an anderer Stelle.
  • Kosten stellen immer gleichzeitig auch Einnahmen dar - bei jemandem anderen.
    Beispiel: In einem Land mit vergleichsweise hohen Steuersätzen macht es für einen global agierenden Konzern Sinn, möglichst hohe Kosten zu produzieren, die dann Einnahmen bei einer anderen Tochterfirma in einem Niedrigsteuerland Einnahmen bzw. (Überschuss)Gewinne bedeuten. In der Fachsprache spricht man von “konzerninternen Verrechnungspreisen”.
    Allein daraus erkären sich oftmals grenzüberschreitende Unternehmensverschachtelungen. Das Herzogtum Luxembourg ist so gesehen eine Steueroase.
  • Oft geschieht dies auch mit Miet-, Pacht- oder Leasingverträgen. Etwa, wenn ein Grundbesitzunternehmen im Ausland einem anderen Schwester- oder Tochterunternehmen im Inland Geschäftsräume vermietet.
  • Für Großanleger/Investoren sind Anlagen in Aktien eine Option. Allerdings weiß man nie, wie sich Geschäftsverlauf (Dividenden) sowie Aktienkurs entwickeln.
    Geldanlegen in Form von Darlehen/Krediten an Unternehmen, die man selbst kontrollieren kann, können eine “alternative” Investmentform sein. Konkret: (Hohe) Zinsaufwendungen etwa in Deutschland fließen entweder über die diversen Zwischenfirmen oder gleich direkt an ein Unternehmen aus dem eigenen Verbund, das beispielsweise in Luxembourg seinen Sitz bzw. (s)einen Briefkasten hat. 
    Über die bereits skizzierte Rechtsform “SCSp” können solche Geldflüsse direkt in die Taschen der Investoren fließen. Haben die dann beispielsweise ihren juristischen Sitz oder Wohnort in London, können sie sich mit einer Einmalsteuer in Höhe von 50.000 Pfund im Jahr von allen Steuern freikaufen, die auf ihre sonstigen Millionen- und/oder Milliardengewinne weltweit entfallen (würden).

Und so könnte man jetzt die bisherige Grafik ergänzen, die bisher ausschließlich das Beteiligungsgeflecht im Auge hatte, um zu erfahren, wer hinter der Hamburger Fleetinsel-Klinik bzw. den 13 Fachkliniken und 8 MVZs in Deutschland (Stand 2025) mit dem Namen “ATOS” steht. Jetzt mit Aussagen zu den Geld- und Finanzierungsflüssen:

 

Viele andere Aspekte sind hier nicht angesprochen: Qualität der medizinischen Leistungen und deren Kontrolle, Abrechnungspraktiken, Arbeitsbedingungen und Entlohnung der Mitarbeiter usw.

Alles weiterführende Recherchen, die sich als lohnend erweisen können.

Wer sich für die die immanenten Zielkonflikte zwischen Renditeinteressen der Investoren versus gesundheitliche Versorgung von kranken Menschen genauer interessiert, kann sich bei der NGO Transparency (TI) informieren. Die AG Medizin und Gesundheit von TI hat einen klaren Forderungskatalog:

  • Offenlegung der Eigentums- und Trägerstrukturen von MVZs
  • ein einheitliches Transparenzregister darüber, in ndem sich jeder unkompliziert informieren kann
  • Ausweis der Trägerschaft bereits auf dem Praxisschild
  • Transparenz, wenn Überweisungen an andere Dienstleister (Ärzte, Labore etc) aus einer MVZ-Kette erfolgen
  • Anonyme Meldestellen für Verstöße gegen die ärztliche Unabhängigkeit, weil das seit 2023 exisitierende Hinweisgeberschutzgesetz nicht greift, weil in solchen Fällen gegen die medizinische Schweigepflicht verstoßen wird.

Derzeit ist das TI-paper noch nicht online. Auf der genannten Website sind aber Ansprechpartner genannt.


(Johannes LUDWIG)