Vor Neujahr 1988 schellt bei einem 71-jährigen Pensionär in Florida das Telefon. „Wie geht es, Dick?“, fragt sein alter Chef, der als Nachfolger REAGAN*s gerade zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde. Dann kommt George Herbert Walker BUSH auf den Kern. Der Ex-Diplomat und Ex-CIA-Vize Vernon WALTERS soll nochmal ran, als Botschafter in Bonn im Westen Deutschlands. BUSH zu WALTERS: „Dort wird es ums Ganze gehen. Willst du mir helfen oder mich im Stich lassen?“.
WALTERS landet im Frühjahr 1989 am Rhein. Bald fragt ihn die “FAZ”, wie er Erfolg definiert. Es gehe nicht um Erfolg, antwortet der strengkatholische WALTERS rätselhaft, er wolle vielmehr „die letzte Ölung geben, bevor der Patient stirbt“.
Den jungen Bundesinnenminister Wolfgang SCHÄUBLE (CDU) erstaunt der CIA-Rentner mit einer Prognose. Während seiner Botschafterzeit würde die Mauer fallen und Deutschland wiedervereinigt, sagt er. „Wie lange wollen Sie bleiben?“, gibt der CDU-Politiker mit der ihm eigenen Ironie zurück. „Drei Jahre“, sagt Vernon WALTERS trocken.
Drei Jahre bis zur Einheit? Was hat Vernon WALTERS mit „letzter Ölung“ gemeint und George W. BUSH mit „es geht ums Ganze“? Wussten die Amerikaner mehr als ihre deutschen Freunde?