SCHALK kennt die warnenden Analysen aus 1982. Er ist selbst hoher Geheimdienstoffizier, vom Rang her ein Generalleutnant. Ins idyllische bayerische Alpenvorland wird zunächst nichts Schriftliches mitgenommen im Frühjahr 1983. Sowas tut die Stasi generell nicht, wenn sie ins Feindesland reist. Aber ist das überhaupt noch Feindesland?
SCHALK kommt als Bittsteller in die Chiemsee-Idylle. Er braucht Geld. D- Mark. Siebenstellige frische Kredite. Wofür? Siehe Stasi-Report.
Soweit SCHALK-GOLODKOWSKI.
Und STRAUß?
Der weiß schon seit Ende 1982 in groben Zügen über die offenbar verzweifelte Lage drüben Bescheid, denn HONECKERs Führung hat bei der sozialliberalen SCHMIDT-Regierung bereits nach 1980 vorgefühlt: Wäre ein durch Bonn verbürgter Kredit in Höhe von vier bis fünf Milliarden Verrechnungseinheiten, damit ist die D-Mark West gemeint, denkbar?
Experten entwickelten dafür das „Züricher Modell“, die Abwicklung des Geschäfts über Schweizer Banken. Doch dieser Vorstoß scheint längst gescheitert, auch, weil SPD-Kanzler Helmut SCHMIDT das nicht ohne verbriefte Gegenleistung machen will. Außerdem ist ihm der Griff in die eigene klamme Staatskasse zu riskant.
Am Tag, bevor KOHL im Oktober 1982 das Kanzler-Amt übernimmt, meldet sich SCHMIDTs Beauftragter Hans-Jürgen WISCHNEWSKI beim künftigen CDU-Regierungschef. Er berichtet ihm über die Gespräche mit der DDR. Fast zeitgleich, am 28. des Monats, reden SCHALK und der Fleischhändler MÄRZ bei einem ihrer freundschaftlichen Gespräche „allgemein über einen Bankenkredit“, wie aus einem SCHALK-Vermerk hervorgeht. Wie können wir jetzt weitermachen? So fragen sich die „Freunde“ STRAUß und KOHL, als sie im Dezember bei einer ihrer berühmt-berüchtigten Wandertouren durch die Tegernsee-Landschaft stapfen. Und werden sich einig, noch bevor die DDR konkret bei ihnen vorfühlt.
